

Augenoperationen im Eye Camp
Blindheit ist in vielen Fällen in Bangladesch durch eine Operation heilbar! Daher starten in der Regel im Oktober, nach dem Monsun, die Eye Camps in entlegenen ländlichen Gebieten. Besonders bedürftige augenkranke Menschen werden dort behandelt. Diese Menschen haben nie die Chance, ein Augenkrankenhaus in der Stadt aufzusuchen. Zu weit entfernt liegt die Stadt, zu teuer ist ein Aufenthalt dort. Medizinisch qualifiziertes Personal untersucht und operiert in den Eye Camps eines Jahres viele Tausende von Menschen. Auch hier erhalten Patienten und die mitgereisten Familienmitglieder Ratschläge, auf welche Weise sie ihr Augenlicht schützen können.
Unsere Partner setzen, wenn medizinisch sinnvoll und möglich, mittlerweile in allen Eye Camps auf die IOL-Technik. Schluss zu machen mit der Zwei-Klassen-Medizin ist dabei das Anliegen. Bei der IOL-Methode werden intraokulare Linsen implantiert, die für ein besseres Sehen als der herkömmliche Starstich sorgen. Die neue Methode ist anspruchsvoller, vor allem in Bezug auf die Ausbildung der Augenärzte und die herzustellenden Hygienebedingungen.
Damit das Eye Camp ein Erfolg wird, muss alles stimmen: Die Vorbereitung, die Durchführung und selbstverständlich auch die Nachbetreuung. Unsere erfahrenen Partner in Bangladesch wissen um die Bedeutung jedes Details. Ein kleiner Fehler kann ein Augenlicht endgültig auslöschen.
Fünf Partner bieten im aktuellen Haushaltsjahr (Juli 2010 bis Juni 2011) Screening Camps (SC) an. In diesen neuen Camps, die das ganze Jahr über stattfinden, findet ein ausgedehntes Screening statt, d.h. es werden z.B. auch andere Augenerkrankungen entdeckt. Zum Beispiel werden Refraktionsfehler erkannt und behandelt, d.h. Brillen werden verordnet und gleich ausgegeben. Während bei den Kataraktoperationen das Gros der Patienten schon älter ist, schätzen unsere Partner, dass bei denjenigen, die unter Refraktionsfehlern leiden (also z.B. unter Kurz- und Weitsichtigkeit oder Stabsichtigkeit) 70% noch im produktiven Alter sind. Ihnen eine schnelle effektive Hilfe angedeihen zu lassen, bedeutet auch, diesen produktiven Teil zu fördern mit positiven Auswirkungen auf die Familie und die Gesellschaft. Operationen und weitergehende ophthalmologische Dienstleistungen finden bei den SC im Augenkrankenhaus statt. Der Transport ins Augenkrankenhaus und wieder zurück wird gestellt. Das medizinische follow-up findet dann wieder vor Ort statt.
Zentren für augenmedizinische Grundversorgung
Zentren für augenmedizinische Grundversorgung (Primary Eye Care Centers - PEC) - Andheri-Hilfe unterstützt gegenwärtig sechs PEC - stellen grundlegende Dienstleistungen in den Bereichen Prävention und Heilung von Augenerkrankungen zur Verfügung. Nach Schätzungen können mit einem Zentrum bis zu einer halben Million Menschen erreicht werden.
Das aktuelle PEC-Konzept besteht aus vier Ebenen. Auf der ersten Ebene bzw. Dorfebene erhalten die Dorfärzte eine Fortbildung in augenmedizinischer Grundversorgung und nach Abschluss der Fortbildung einfache Geräte, um Sehstörungen und Augenerkrankungen zu erkennen. Die komplizierten Fälle werden an das Zentrum überwiesen. Die Dorfärzte sind in der Gemeinde bekannt und können sich mit den Patienten in der Lokalsprache unterhalten. Dies erleichtert die Behandlung. Es erleichtert aber auch die wichtige Aufklärungsarbeit, die von den Dorfärzten geleistet werden soll.
Die zweite Ebene ist das eigentliche Zentrum mit einem Sanitäter und Assistenten als ständiges Personal. Hier erhalten auch die Dorfärzte ihre Aus- und Fortbildung. Ein- bis zweimal monatlich kommt ein Arzt aus dem Augenkrankenhaus hierher und führt Operationen durch. In dringenden komplizierten Fällen wird der Patient vom Zentrum gleich an das Basiskrankenhaus verwiesen.
Die dritte Ebene bildet das Augenkrankenhaus im Distrikt, von denen Andheri-Hilfe gegenwärtig fünf unterstützt.
Schließlich bildet das große Augenkrankenhaus, Trainings- und Forschungsinstitut in Chittagong (CEITC) die vierte Ebene. Hier stehen hochqualifiziertes Personal und ausgezeichnete Geräte zur Verfügung, um auch die kompliziertesten Fälle zu behandeln.
Das PEC-Konzept hat viele Vorteile:
Auf Grund des gestuften Aufbaus mit Beginn auf der Dorfebene, können z.B. auch Frauen in entlegenen und konservativen Regionen des Landes schnell Hilfe in Anspruch nehmen
Die kurzen Wege reduzieren Kosten für Fahrten in die Stadt oder Einnahmeeinbußen bei langer Abwesenheit von der Arbeit
Die Dienstleistungen sind bezahlbar
Die Dienstleistungen sind ständig verfügbar
Die Dienstleistungen auf den verschiedenen Ebenen sind angepasst an die jeweilige Situation und aufeinander abgestimmt
Prävention spielt eine wichtige Rolle
Augenmedizinische Grundversorgung wird in das System der allgemein-medizinischen Grundversorgung integriert
Andheri-Hilfe unterstützt auch Aus- und Fortbildungsmaßnahmen für Ärzte und medizinisches Pflegepersonal. Im aktuellen Haushaltsjahr werden 17 Ärzte und 32 Sanitäter ausgebildet. Man erhofft sich eine stärkere Präsenz medizinischen Fachpersonals in den ländlichen Gebieten. Gegenwärtig leben 80% der Blinden auf dem Land, aber 90% des Fachpersonals arbeitet in den Städten.
Tausende von armen Menschen in Bangladesch könnten sich eine Augenbehandlung und erst recht eine Operation nicht leisten, wenn Andheri-Hilfe nicht im Rahmen des so genannten "Poor Patient Fund" den Partnerkrankenhäusern einen Zuschuss gäbe. Für das laufende Jahr kalkuliert man mit etwa 10.000 Personen, die ohne einen solchen Zuschuss keinerlei augenmedizinische Leistungen erhalten würden.