
Hilfe für Findelkinder und Halbwaisen; Heimunterstützung
1959 Eine deutsche Illustrierte berichtet über die 400 Findelkinder im St. Catherine's Home in Andheri, einem Vorort von Bombay/Mumbai. Ihre Schicksale sind erschütternd. Die deutsche Heimleiterin, Schwester Anna Huberta Roggendorf, kämpft täglich um die Handvoll Reis für ihre Schützlinge.
1960 Die Religionslehrerin Rosi Gollmann startet mit ihren Kölner Berufsschülern, mit Freunden und Bekannten die erste Spendenaktion: Für jedes Heimkind wird ein eigenes Weihnachtspäckchen auf den Weg gebracht, Sachspenden und Geld werden gesammelt.
1967 Am 5. Mai gründen sechzehn der ersten Helfer den Verein "Andheri-Hilfe e.V." mit Rosi Gollmann als 1. Vorsitzende. Zweck des Vereins ist die "Unterstützung der Kinder im St. Catherine's Home zu Andheri". 449 Spender bringen im Gründungsjahr insgesamt 171.049 DM auf.
Sprunghafter Anstieg der Aktivitäten: Förderung weiterer Kinderheime in Indien. Start der Aktion "Blindenheilung Bangladesch". Bau der Andheri-Hilfe-Zentrale in Bonn.
1971 Freunde von Andheri-Hilfe ermutigen die Vereinsleitung und spenden gezielt für den Bau der Andheri-Zentrale in Bonn.
Eine erste Halbtagskraft wird gegen Vergütung der Fahrtkosten eingestellt.
1973 Durch eine erste testamentarische Zuwendung und ein zunehmendes Spendenaufkommen können mehr als 2000 weitere Waisenkinder in 24 Heimen im westindischen Bundesstaat Karnataka unterstützt werden. Es geht um Befriedigung der Grundbedürfnisse der Kinder. Außerdem sollen nachhaltige Maßnahmen diese Kinderheime von fremder Hilfe unabhängig machen.
1974 Die "Blindenheilung Bangladesch" kommt als neue Aufgabe auf den Verein zu: Mehr als 1 Million Menschen sind in diesem jungen Staat - einem der ärmsten der Welt - am Grauen Star erblindet. Es fehlen Ärzte und Operationsmöglichkeiten, vor allem im ländlichen Raum. Eine einfache lichtbringende Operation kostet umgerechnet 26 DM.
1978 Immer mehr Bitten um Hilfe aus Waisenhäusern erreichen die Andheri-Hilfe. Aber die meisten Heimkinder sind keine wirklichen Waisen; sie wurden von ihren Eltern aus Gründen der Armut den Heimen übergeben. So wächst bei der Andheri-Hilfe die Erkenntnis, besser die Ursachen als nur die Symptome anzugehen: Damit Kinder in der Geborgenheit der eigenen Familie aufwachsen können, werden zur Förderung armer Familien erste Dorf- und Slumprojekte bewilligt.
1979 Erste Hilfsprogramme für Leprapatienten werden gefördert. Es geht um ein menschenwürdiges Leben auch für diese "Ausgesetzten", und zwar durch medizinische Versorgung in einer damals noch üblichen Langzeitbehandlung (erst seit 1984 ist Lepra durch Multi-Drug-Therapie heilbar), ferner um ihre Unterbringung in menschenwürdigen Unterkünften und soweit möglich um Verdienstmöglichkeiten für sie anstelle eines Bettlerdaseins.
Intensiver Einstieg in Dorfprogramme, Frauenförderung, Behinderten-Rehabilitation in Indien. Gesteigerte Aktivitäten für die Blinden in Bangladesch.
1981 Erstmals erhält Andheri-Hilfe Fördermittel vom Bonner Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, und zwar für ein breit angelegtes Programm zum Kampf gegen die Blindheit in Bangladesch.
1982 Fernsehen und Printmedien berichten überzeugend von der Hilfsaktion für Blinde in Bangladesch. Daraufhin verdoppelt sich das Spendenaufkommen im Vergleich zum Vorjahr, Tausende neuer Spender werden gewonnen - eine enorme Herausforderung für den kleinen, überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeiterstab.
1983 Das 110-Betten-Augenhospital und Ausbildungszentrum für einheimisches Fachpersonal in Chittagong wird vom Staatsoberhaupt Bangladeschs eröffnet.
1985 Die Mitgliederversammlung beschließt die Ausdehnung der Projektarbeit auf weitere Länder des indischen Subkontinents. Erste Kontakte zu Nepal und Bhutan - auch hier mit dem Ziel der Bekämpfung der Blindheit - werden geknüpft.
In Bangladesch beginnt das Pilotprojekt zur Förderung von hör- und sprachgeschädigten Kindern.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit bewilligt die Kofinanzierung eines umfassenden Programms zur Rehabilitation von Kinderarbeitern in Indien.
1986 Die Zahl der Förderprojekte für Frauen nimmt deutlich zu. Frauen erweisen sich als besonders fähige Träger der Entwicklung und des Fortschritts.
Bundespräsident Richard von Weizsäcker überzeugt sich vor Ort von der erfolgreichen Aktion "Blindenhilfe Bangladesch".
1987 Projekte für behinderte Kinder werden aufgenommen - nicht in der Form institutioneller Förderung, sondern mit dem Ziel der Integration der Behinderten in ihr soziales Umfeld von Familie und Dorfgemeinschaft. Das bringt den behinderten Kindern Selbstachtung und Anerkennung seitens der Gesellschaft.
Projekte und Programme werden immer intensiver mit der Bevölkerung vor Ort geplant und umgesetzt. Einheimische Mitarbeiter übernehmen in enger Zusammenarbeit mit der Bonner Zentrale die Begleitung und Koordination der Programme.
1990 In Bangladesch wird die 500.000ste Augenoperation durchgeführt. Maßnahmen zur Verhütung von Neuerblindungen, besonders bei Kindern, gewinnen zunehmend an Bedeutung.
1992 Die Zahl der Spender und der Spenden ist kontinuierlich angewachsen (auf insgesamt 100 Millionen DM in 25 Jahren), ebenso die Zahl der geförderten Projekte.
Um die intensivere Begleitung unserer Projekte sicherzustellen, werden zwei Büros in Indien mit einheimischen Fachkräften eingerichtet: in Bhubaneswar im Nordosten und in Tiruchirapalli im Süden des Landes.
1994 Der Andheri-Hilfe wird erstmals das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen als Zeichen der Seriosität und Glaubwürdigkeit verliehen.
1995 Dem verantwortlichen Umgang mit der Umwelt wird in der gesamten Projektarbeit immer mehr Bedeutung beigemessen. Wasserbewirtschaftungsprogramme werden erstmals in die Förderung aufgenommen.
Die Entwicklungsarbeit erreicht zunehmend Siedlungsgebiete indischer Stammesangehöriger. Die Herausforderung besteht darin, gemeinsam mit diesen Menschen nach Überlebenschancen zu suchen, ohne dass sie ihre Identität preisgeben müssen.
1997 Franz Alts Fernsehfilm "Khadizas Weg zum Licht" bedeutet einen neuen Appell zur Unterstützung der Aktion Blindenhilfe. Die große Spendenbereitschaft der deutschen Fernsehzuschauer ermöglicht Tausende weiterer Operationen.
1999 Ein neuer TV-Film von Franz Alt berichtet von der Not indischer Kinderarbeiter und dem Elend der Straßenkinder - aber auch von der "Befreiung" von bereits 50.000 dieser Kinder durch Andheri-Hilfe-Projekte.
Wachsende Globalisierung mit all ihren Auswirkungen auf die Ärmsten bedeutet neue Herausforderungen. Generationswechsel in der Andheri-Hilfe auf Zukunftssicherung hin.
2001 Der TV-Film zeigt an Hand von Projektbeispielen "Entwicklung ist weiblich". Frauen sind die tatkräftigsten Träger der Entwicklung. Die Gründerin der Andheri-Hilfe, Rosi Gollmann, übergibt den Vereinsvorsitz, den sie 34 Jahre hindurch ehrenamtlich innehatte, an die langjährige Mitarbeiterin der Andheri-Hilfe e. V., Elvira Greiner. Sie selbst bleibt als Ehrenvorsitzende und durch ihre weitere bewährte Mitarbeit ihrem Lebenswerk sowie den Freunden und Partnern hier und in den Projekten verbunden.
2003 Im Januar findet in Bangladesch die ein millionste Augenoperation unter dem Programm der Andheri-Hilfe statt. "Millionärin" ist die vierzehnjährige Hasna, jahrelang blind, nun glücklich zu sehen. Der bekannte Journalist und TV-Moderator Franz Alt beeindruckt mit seinem Dokumentarfilm "Vom Glück zu sehen" die deutsche Öffentlichkeit. Viele neue Freunde und Spender unterstützen die Arbeit der Andheri-Hilfe. Rosi Gollmann wird in der Sendung "Ein Herz für Kinder" von ZDF und BILD mit dem "Goldenen Herz"geehrt.
2004 Die Flutkatastrophe (Tsunami) am 26. Dezember in Südasien bringt tausendfaches Leid an die südindische Küste. Allein 13 Projekte der Andheri-Hilfe sind unmittelbar durch die Flutwelle gefährdet. Die einzigartige Hilfsbereitschaft in Deutschland ermöglicht auch der Andheri-Hilfe, langfristige Hilfe beim Wiederaufbau der zerstörten Wohnhäuser, den Ersatz von Fischerbooten und -Netzen, die Instandsetzung von Kindergärten, Schulen und Ausbildungsstätten zu leisten.
2005 Das ganze Jahr 2005 war stark geprägt vom Tsunami-Wiederaufbau. Unsere Spender ließen uns insgesamt 2.353.783,81 Euro zukommen. Bis Mitte März 2006 konnten wir bereits 2.388.235,30 Euro in den Tsunami-Projekten einsetzen.
2007 "7 Ziele für 2007"
40 Jahre Andheri-Hilfe - das war für uns ein Grund zu feiern. Das fand auch die Stadt Bonn und wählte für ihre Jahrespartnerschaft 2007 die Andheri-Hilfe aus. Für das Jubiläumsjahr wurden 7 Ziele definiert, von der Förderung von Kinderarbeitern über die Heilung von Blinden bis zum Bau von Biogas-Anlagen. Diese Ziele gehören auch nach 2007 zu unseren Zukunfts-Aufgaben. Ganz im Gedanken an unser Motto: "Gemeinsam für mehr Menschlichkeit".
2008 Wie geht es weiter bis 2020 ? Nach 40 Jahren erfolgreicher Arbeit stellt sich Andheri-Hilfe Bonn verstärkt den Herausforderungen für die Zukunft. Im September 2008 beginnt der Planungsprozess "Andheri 2020". Dabei geht es um die Frage, wie sich die Andheri-Hilfe bis zum Jahr 2020 diesen Herausforderungen stellt und welche Ziele erreicht werden sollen.
2009 Gemeinsam mit den Partnern in Indien und Bangladesch und dem Andheri- Trust bzw. Andheri-Team werden 7 konkrete Ziele für 2020 erarbeitet: vom Ressourcenschutz über Straßenkinderförderung bis hin zur Stärkung der politischen Teilhabe der Ärmsten reichen unsere Schwerpunkte.
Ein guter Start gelingt: Trotz Wirtschaftskrise können die Spendeneinnahmen gesteigert werden.
2011 Im April 2011 eröffnet die Andheri-Hilfe ein eigenes Landesbüro in Bangladesch (einfache gemietete Räume, drei einheimische Mitarbeiter). Das Engagement der Andheri-Hilfe in Bangladesch hatte 1974 begonnen mit der "Aktion Blindenhilfe". Inzwischen wird das Programm "Augenlicht retten" landesweit gefördert und gleichzeitig 24 weitere Projekte: von mobilen Ausbildungszentren bis hin zu integrierten Dorfentwicklungsprojekten. Das eigene Landesbüro wird die Arbeit von der Antragsprüfung bis hin zur Projektbegleitung und -evaluierung weiter stärken sowie mehr Unabhängigkeit und Transparenz schaffen.
Im Mai wird das "neue" Andheri-Haus in der Mackestraße 53 in Bonn eingeweiht. Das Gebäude war komplett saniert und zu 100 % auf erneuerbare Energien umgestellt worden. Gleichzeitig wurde es erweitert, denn die Andheri-Hilfe soll zukunftsfähig werden. Freunde und Spender haben "mitgebaut" durch Sonderspenden; dazu kommen Zinserträge und testamentarische Zuwendungen, die absolut frei sind für diesen Zweck. Es wird garantiert, dass kein Cent der Spenden, die für Menschen in Not gegeben werden, für dieses Bauprojekt angetastet wird.