
Projekt-Steckbrief | ||
Projekttitel Abschaffung des Devadasi-Systems (Tempelprostitution) I-15-13/05 Partnerorganisation SNEHA - Society for Integrated Community Development
Finanzierung durch Andheri-Hilfe Die Andheri-Hilfe unterstützt das Projekt im Zeitraum 10/09 bis 09/12 mit 66.799 Euro | Hauptaktivitäten Aufklärungsarbeit in den Dörfern Kampagnen gegen das Devadasi-System Stärkung der bestehenden Selbsthilfegruppen für Devadasi-Frauen Mirkokreditvergabe für Einkommenschaffende Maßnahmen Unterstützung der Kinder aus Devadasi-Familien | Kosten Aufklärungs-Kampagne im Kampf gegen das Devadasi System: 75 Euro Aufbau mit Schulung einer Frauen-Selbsthilfegruppe: 50 Euro Förderprogramm für 50 Kinder (Aufklärung über ihre Rechte, Selbstbewusstseins-Förderung): 30 Euro
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Seit 1999 arbeiten die Mitarbeiter unseres Partners SNEHA in der Region Bellary im Bundesstaat Karnataka. In diesen 10 Jahren der engen Zusammenarbeit konnte die Lebenssituation der dort lebenden Menschen durch eine Reihe vielfältiger Maßnahmen verbessert werden. So wurden Selbsthilfegruppen organisiert, bei deren Zusammenkünften über aktuelle Probleme wie Alkoholismus, Arbeitslosigkeit, Kinderarbeit, Krankheiten und Umweltschäden diskutiert wird und gemeinsam nach Lösungsansätzen gesucht wird. Die Menschen nahmen Stück für Stück ihre Entwicklung selbst in die Hand.
Doch ein großes Problem existiert in den Dörfern dieser sehr ländlichen Region nach wie vor: das traditionelle, menschenunwürdige Devadasi-System. SNEHA ist darauf aufmerksam geworden und hat das Vorhaben, diese Tradition gänzlich aus den 80 Projektdörfern zu verbannen.
Devadasis sind besonders hübsche Mädchen aus unteren Kasten oder Kastenlose, die der Göttin in einem Tempel geweiht werden. Dieses Ritual hat lange Tradition im Hinduismus. Ehemals haben die Devadasis lediglich in den Tempeln getanzt und wurden bewundert. Doch das Bild hat sich gewandelt. Heute werden viele dieser Mädchen von wohlhabenden Männern des Dorfes sexuell missbraucht und geraten gezwungenermaßen in die Prostitution (was jedoch nicht zwingend bedeutet, dass eine Devadasi eine Tempelprostituierte ist).
Die Devadasis werden in ihren Dörfern verachtet und ausgegrenzt. Sie können nicht heiraten. Für den Rest ihres Lebens arbeiten sie als Prostituierte und ergänzen ihr Einkommen durch Feldarbeit, wenn das Geld zum Überleben sonst nicht reicht.
Die betroffenen Frauen haben meist mehrere Kinder von unterschiedlichen Männern, die von ihren Mitschülern gedemütigt werden und die Schule oft vorzeitig abbrechen. Die Mädchen werden häufig selbst zu Devadasis, weil ihnen kaum eine andere Möglichkeit bleibt. Der Gesundheitszustand dieser Familien ist schlecht, sie leiden an Blutarmut, Asthma und Geschlechtskrankheiten, viele haben AIDS.
Offiziell ist das Devadasi System von der Indischen Regierung schon lange verboten, doch es wird trotzdem weiterhin praktiziert.
In allen Projektdörfern wurden so genannte „Child Clubs“ eingerichtet. Hier wird sich um 1361 Jungen und Mädchen aus Devadasi-Familien und anderen armen Familien gekümmert. U. a. erhielten 700 Kinder Unterstützung für die Anschaffung von Schulbüchern und Schuluniformen.
1595 Frauen schlossen sich in 123 Selbsthilfegruppen zusammen. Sie erhielten bislang eine Vielzahl von Lehrgängen zu den Themen Nahrungssicherheit HIV/AIDS aber auch, wie sie bestehende Gesetze (z. B. gegen häusliche Gewalt) bzw. damit verbundene Rechte einfordern können.
In den Dorfräten wurde die sensible Thematik der Tempelprostitution zur Sprache gebracht und die Gemeinschaft zu Diskussionen angeregt. Eine starke Leistung, wenn man bedenkt, dass dieses Thema von der Gesellschaft lieber tot geschwiegen wird.
Zusätzlich sensibilisierte man die gesamte Dorfgemeinschaft mit Hilfe von Straßentheater auf die Inhalte des Devadasi-Systems. Auf simple Art und Weise wurden so eine Vielzahl von Personen erreicht und dazu angeregt, das bestehende System zu überdenken.
Darüber hinaus fanden eine Reihe von Kampagnen statt, bei denen sich für die Rechte der Tempelprostituierten und ihrer Kinder eingesetzt wurde. Durch die Einbeziehung der Presse soll die Regierung auf die Problematik aufmerksam gemacht und dazu aufgefordert werden, Verantwortung zu übernehmen und dementsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
Um den Tempelprostituierten alternative Einkommensmöglichkeiten anzubieten, wurde innerhalb der Selbsthilfegruppen gespart, so dass bei Bedarf Kleinkredite an die Frauen und ihre Familien vergeben werden konnten. Mit diesem Geld wurden u. a. kleine Shops eröffnet.
Auch in der aktuellen Projektphase setzt sich unser Partner sehr engagiert dafür ein, die Lebenssituation der Devadasis und ihrer Kinder zu verbessern und ihnen die Chance zu geben, einen Platz in ihrer Dorfgemeinschaft, frei von Diskriminierung, zu finden.

Heike Kluve
Projektreferentin Südindien
Tel: 0228/ 926 525 32
heike.kluve@andheri-hilfe.org