
Projekt-Steckbrief | ||
Projekttitel Förderung Straßenkinder und Straßenbewohner in Chennai /Süd - Indien (I-61-47/99) Partnerorganisation Karunalaya Social Service Society- Centre for Street and Working Children Finanzierung Die Andheri-Hilfe unterstützt das Projekt im Zeitraum 10/10 bis 09/13 mit 83.476 Euro | Hauptaktivitäten Betreuung und Rehabilitation (Schul-/ Berufsbildung) von Straßenkindern und Ausreißern Auf der Straße lebende Frauen in Selbsthilfegruppen stärken Zusammenschluss von 1570 auf der Straße lebenden Menschen wird gestärkt. | Kosten Familienreintegration für ein Straßenkind: 17 Euro Monatsgehalt eines „Streetworkers“: 100 Euro |
Seit über zehn Jahren arbeitet die Andheri-Hilfe in Chennai mit Mr. Paul Sunder Singh und seiner Organisation „Karunalaya“ zusammen, welche im Jahr 1995 mit dem erklärten Ziel der Sorge um Straßenkinder entstand. Es geht um Chancen für Kinder, die auf den Straßen dieser Millionenstadt gestrandet sind – ohne Hilfe, ohne Schutz, ohne Hoffnung.
Es geht auch darum, andere Kinder vor diesem Elend zu bewahren. So wurde im Laufe der Jahre die Zielgruppe auf Familien erweitert, die auf der Straße leben, so genannte „pavement dwellers“. Diese Menschen, deren Zuhause eine Plastikplane am Straßenrand ist, sind immer in Gefahr, vertrieben zu werden.
Schon vor der letzten Projektphase hat die Andheri-Hilfe den Kauf eines Gebäudes für ein Straßenkinderzentrum finanziert. Es ist ein „offenes Haus“: Straßenkinder können kommen und gehen, wann sie wollen. Sie können hier in Sicherheit übernachten, sich waschen und Essen kochen. Hier werden sie im Falle einer Krankheit versorgt. Die psychologische Betreuung spielt eine wichtige Rolle, denn jedes dieser Kinder hat seine eigene traurige Geschichte zu erzählen. Die Projektmitarbeiter unterstützen die Straßenkinder dabei, eine Entscheidung über ihre Zukunft zu treffen: wollen sie zur Familie zurück, in der Stadt zur Schule gehen, eine Ausbildung machen...?
In der letzten dreijährigen Projektphase (2007-2010) wurden insgesamt 1051 Kinder mit den Projektmaßnahmen erreicht. Davon wurden 607 Kinder in ihre Familien zurückgeführt.
186 Kindern wurde, durch zusätzlichen Unterricht außerhalb der Schulzeiten, Grundbildung vermittelt. Die Lehrer in den Schulen und Polizeibeamte auf den Straßen werden über die Situation der Straßenkinder aufgeklärt und sensibilisiert. Doch auch außerhalb der Schulen werden die Menschen durch Posteraktionen, Flugblätter und öffentliche Kundgebungen informiert. Zusammen mit anderen Organisationen werden die Rechte und Förderprogramme von Kindern auf staatlicher Ebene eingefordert. Dies geschieht vor allem in vier etablierten Kinder-Klubs mit 141 Mitgliedern.
46 Jugendliche und Erwachsene der „pavement dwellers“ nahmen an Trainingseinheiten für verschiedene Berufe teil. Hier wurden zum Beispiel Computerkurse oder Fahrstunden angeboten.
In zehn Selbsthilfegruppen organisieren sich 121 auf der Straße lebende Frauen. Die Gruppen sparen kleinste Beträge, erhalten Startkapital für Kleinstprojekte und kümmern sich darum, die ihnen zustehende Mittel von der Regierung einzufordern. Mit den Kleinkrediten können die Frauen Einkommensprojekte durchführen und sich für die (Schul-) Bildung ihrer Kinder einsetzen. Durch diese Stärkung der eigenen Fähigkeiten stellen die Frauen auch tief verwurzelte Traditionen wie Kinderheirat oder die Mitgift für ihre Töchter in Frage. Hohe Mitgiftforderungen sind eine extreme finanzielle Belastung für Familien mit Töchtern, die daher Söhne bevorzugen. Darüber hinaus setzen sich 250 Frauen für Frauenrechte ein.
Da der Alkoholismus vor allem unter Männern und Jungen ein großes Problem darstellt, wurde eine Gruppe gegründet, die über die Gefahren aufklärt und Ausflüge zu Einrichtungen für Drogenabhängige veranstaltet.
Die oben genannten Erfolge werden in der nun laufenden Projektphase weitergeführt und nachhaltig gestaltet. Straßenkinder werden weiterhin im Straßenkinderzentrum versorgt und durch Bildungsmaßnahmen auf das Leben vorbereitet.
Durch Aufklärung und Stärkung der Rechte der Straßenbewohner wird zudem präventiv verhindert, dass die schweren Schicksale der Straßenkinder sich wiederholen. Die oben erwähnten Kinder-Klubs als Sprachrohr für Kinderechte sollen weiter gestärkt werden. Frauen sollen ihre Führungsfähigkeiten weiter ausbauen. Das gilt für die Frauengruppen aber auch insbesondere für die PDRAs.
Die erst kürzlich etablierten PDRAs werden strukturell ausgebaut, die Mitgliederzahl wird erhöht und damit die Einflussmöglichkeit für die Rechte der „pavement dwellers“ verbessert. Die Zahl der PDRAs soll auf 25 steigen und die Zusammenarbeit mit anderen lokalen Nichtregierungsorganisationen weiter gestärkt werden. Führungskräfte aus bestehenden PDRAs sollen als Multiplikatoren für neue Führungskräfte dienen, wodurch das Projekt nachhaltig wird.
Ein „Public Relation Officer“ soll das Projekt nach außen vertreten, sich um indische Kooperationspartner kümmern und einen Fonds etablieren. Langfristig sollen so indische Spenden zumindest die Arbeit mit Straßenkindern finanzieren.
Barbara von Hillebrandt-Jung
Projektreferentin Südindien, Westindien
Tel: 0228/ 926 525 32
barbara.hillebrandt@
andheri-hilfe.org