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Andheri-Hilfe Bonn

Süd- Indien: Unterstützung von Kindern

Projekt-Steckbrief

Projekttitel

Unterstützung von Frauen und Kindern in vom Tsunami betroffenen Gebieten

(Tamil Nadu)

(I-61a -25/06)

Partnerorganisation

Association for Community Development Service

 

Finanzierung

Die Andheri-Hilfe unterstützt das Projekt im Zeitraum 07/09 bis 06/12 mit 44.660 Euro

Hauptaktivitäten

Unterstützung von Kinderzentren und Kinderräten

 

Aufklärung über Kinderrechte

 

Ausbildung von Jugendlichen in verschiedenen Berufen

 

Förderung von Witwen und Frauengruppen 

Kosten

Lernmaterial und Spielzeug für ein Kinderzentrum: 250 €

Fortbildung über Kinderrechte: 58 €

Monatsgehalt für einen Ausbilder: 50 €

Training einer neuen Frauengruppe: 50 €

Zuschuss zur Unternehmensgründung für eine Witwe: 50 €

 

 

Die Andheri-Hilfe arbeitet im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu seit vielen Jahren mit der einheimischen Organisation  „Association for Community Development Service” zusammen. Der Name unserer  Partnerorganisation bedeutet soviel wie “Organisation für die Entwicklung der Dorfgemeinschaft”. Nach dem Tsunami 2004 haben wir ein Projekt des Partners für Menschen, die wegen des schweren Seebebens alles verloren hatten, unterstützt.  

Eine riesige Flutwelle zerstörte die Dörfer in der Nähe der Küste.

2005 begann Mr. Devanbu (der Leiter der Organisation) mit seinen Mitarbeitern Menschen in acht betroffenen Dörfern zu unterstützen. Die Fischer aus den Dörfern konnten nach dem Tsunami ihren Beruf nicht mehr ausüben. Das Seebeben hatte ihre Boote und Fischernetze zerstört. Wir finanzierten für sie neues Material und halfen ihnen sich in Fischer-Kooperativen zu organisieren. Als Kooperative ist es leichter den Fisch auf den Märkten zu verkaufen und sich untereinander auszutauschen.

Aber vor allem Frauen und Kindern wurde durch das Projekt geholfen. Um sie hat sich nach dem Tsunami niemand gekümmert. In Indien haben Frauen im Gegensatz zu Männern traditionell kaum Rechte und werden stark benachteiligt. Auch heute ist das vor allem in den Dörfern noch so, obwohl es inzwischen viele gute Gesetze für Frauen gibt. Und obwohl es ein gesetzliches Recht auf Bildung gibt und viele Gesetze zum Schutz von Kindern, gehen arme Kinder oft nicht in die Schule, müssen stattdessen Geld verdienen und werden ausgebeutet. Wir wollen die Situation für Kinder und Frauen dauerhaft verbessern. Da solche Entwicklungen Zeit brauchen, fördern wir einige Aktivitäten auch jetzt noch. Die unmittelbare Not nach dem Tsunami konnte natürlich längst behoben werden.

 

Für die Kinder aus armen Familien wurden sechs Kinderzentren in sechs Dörfern gegründet, die jeden Abend für drei Stunden öffnen. Vor allem die Kinder aus sehr armen Familien haben im Zentrum stets einen Ort, an dem sie Hilfe erhalten (z.B. Hausaufgabenhilfe). Hier lernen auch 250 Jugendliche Berufe kennen. Neben der Schule erhalten sie zum Beispiel Unterricht als Näherinnen und können damit in der Zukunft Geld verdienen. Aber in den Zentren wird auch gespielt, Yoga gemacht, Theater aufgeführt, Feste gefeiert und Tänze eingeprobt. Die Kinder übernehmen dabei selbst die Planung der Veranstaltungen. Es werden auch Geschichten erzählt, Gedichte aufgesagt und gemalt. Die Kinder werden dadurch kreativer und selbstbewusster. Die Schulleistungen aller Kinder haben sich deutlich verbessert. Sie übernehmen aber auch Verantwortung, indem sie z.B. andere jüngere Kinder betreuen. Sie erfahren hier außerdem etwas über „Kinderrechte“. Die Kinder sollen zusammen mit ihren Eltern lernen ihre Rechte gegenüber den Erwachsenen vertreten zu können. In diesen Zentren können die Kinder also richtig viel lernen und ihre Freizeit verbringen.

 

 

Außer den Kinderzentren gibt es  auch sechs „Kinderräte“, die sich einmal im Monat treffen. Diese Räte besprechen die Rechte von Kindern noch genauer. Die Kinder lernen in kleinen Gruppen (25-30 Kinder) wie sie sich wehren können, wenn sie von Erwachsenen sexuell belästigt werden oder ihre Eltern oder ihre Lehrer sie schlagen.

Auch die Erwachsenen treffen sich jeden Monat, um über Kinderrechte zu sprechen. In sechs sogenannten Foren zum Schutz von Kindern tauschen sich Vertreter lokaler Behörden,  Eltern, Lehrer, Dorfvorsteher und Frauengruppen aus. Sie arbeiten inzwischen eng mit den Kinderräten zusammen. Seitdem es diese Gruppentreffen gibt, nahm die Gewalt an Kindern ab.

Außerdem gehen mittlerweile deutlich mehr Kinder zur Schule. Früher haben viele Kinder die Schule abgebrochen. Sie kamen im Unterricht nicht mit oder mussten arbeiten (Kinderarbeit), damit die Familie genug Geld zum Essen hatte. Das hat sich verändert. Die Kinder gehen jetzt gerne zur Schule und machen einen Abschluss. Wenn sie erwachsen sind, soll es ihnen einmal besser als ihren Eltern heute gehen. 

In einem anderen Zentrum können junge Frauen zu Näherinnen ausgebildet werden. Wenn sie nach sechs Monaten mit dieser Ausbildung fertig sind, wird ihnen geholfen direkt einen Job in einem Unternehmen zu finden oder von zuhause aus zu arbeiten. Aber auch ein Unterricht für den Umgang mit Computern kann von den Frauen besucht werden. Hinterher finden sie leicht Arbeit. 

Für die jungen Frauen wird außerdem ein sogenanntes „Alltagstraining“ angeboten. Hier lernen sie etwas über Körperpflege, richtige Ernährung und Hygiene, erhalten Sexualkundeunterricht und können Probleme, die sie mit ihren Familien haben mit anderen Frauen besprechen. Viele junge Frauen haben jetzt weniger Angst im Alltag und fühlen sich in der Schule, an der Arbeit und daheim wohler. 

Damit sich die erwachsenen Frauen in den Dörfern untereinander beraten und Probleme besprechen können, wurden 96 Frauengruppen gebildet. Hier lernen die Frauen, wie sie es schaffen können durch einfache Berufe ein wenig Geld zu verdienen. Zum Beispiel mit dem Verkauf von Fisch, Gemüse oder Kleidung in Kleinwarenläden können sie so den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder sichern. Die Frauen lernen auch wie sie Kredite von der Bank bekommen, damit sie für ihren Beruf eine Starthilfe haben (eine Nähmaschine, einen Verkaufsstand usw.). Wenn die Frauen einen Kredit aufnehmen wird stark darauf geachtet, dass sie das Geld schnell wieder zurück bezahlen können, damit sie nicht in Zukunft verschuldet sind. Für Witwen gibt es eine besondere Hilfe, damit sie ihre Familie und sich ernähren können. Sie haben es in der indischen Gesellschaft besonders schwer. Ohne männliche Unterstützung sind ihnen vielfach die Hände gebunden. Nach dem Tsunami waren sie von allen offiziellen Hilfsleistungen ausgeschlossen, obwohl sie den größten Bedarf an Unterstützung hatten. Witwen müssen keinen Kredit als Starthilfe für ihr kleines Unternehmen aufnehmen, sondern bekommen einen kleinen Betrag von uns geschenkt. In den Frauengruppen lernen die Frauen aber auch, welche Rechte ihnen zustehen und wie sie diese Rechte einfordern können. Damit die Zusammenarbeit unter den verschiedenen Frauengruppen gut läuft, haben sie sich zu einer sogenannte „Föderation“ zusammen geschlossen. Jede Frauengruppe hat in dieser „Föderation“ eine Vertreterin, die die Interessen der jeweiligen Gruppe vertritt. Die „Förderation“ kann dadurch noch viel mehr erreichen, weil sie alle Interessen von 96 Frauengruppen kennt und umsetzen kann.

Mr. Santiago, ein indischer Mitarbeiter von der Andheri-Hilfe, hat das Projekt 2010 besucht und berichtet darüber, wie stolz die Menschen sind ihre Probleme nun eigenständig lösen zu können und wie viel Fortschritte es für die Rechte von Frauen und Kindern gibt. Die Frauen konnten ihr Einkommen erhöhen. Viele Gruppen haben schon kleine Beträge für die Zukunft gespart, um damit neue Maßnahmen bezahlen zu können. Mr. Santiago ist sehr beeindruckt von den Erfolgen des Projekts und ist zuversichtlich, dass die Menschen auch in Zukunft ihre Armut nach und nach überwinden können und ihre Lebenssituation verbessern.

 

 

Ihre Ansprechpartnerin

Barbara

von Hillebrandt-Jung

Projektreferentin Südindien, Westindien

Tel: 0228/ 926 525 32
 barbara.hillebrandt@
andheri-hilfe.org