
Unser Partner "Community Development Library" (CDL) schafft im Nordosten Bangladeschs Perspektiven für Menschen mit Behinderungen. Ein ländliches Informationszentrum bringt Einzelpersonen und Organisationen zusammen; hier werden Pläne und Allianzen geschmiedet. Der Dialog überwindet soziale Grenzen und hilft behinderten Menschen nachhaltig.

"Früher lebte ich das Leben einer Ausgestoßenen. Niemand wollte etwas mit mir zu tun haben. Ich selbst versteckte mich, aus Angst vor Demütigungen. Ich dachte, ich sei nutzlos. Heute ist alles anders!" Das Gesicht der seit Geburt behinderten Siria aus dem Ort Kanaighat im Distrikt Sylhet strahlt. Die junge Frau hat eben hohen Würdenträgern und Vertretern von Entwicklungsorganisationen ihr Leben geschildert und Vorschläge unterbreitet, wie sich das Leben behinderter Menschen positiv entwickeln kann. Nein, nicht Kopfschütteln habe sie erfahren, sondern ein nachdenkliches Nicken und - ganz wichtig - die Zusage der Versammlungsteilnehmer, etwas für sie und andere Betroffene zu tun, so Siria.
Siria steht stellvertretend für viele Menschen mit Behinderungen in der Region Sylhet. Einst sozial ausgeschlossen, ohne Zugang zu Bildungs- und Gesundheitsstätten und mit ihrem Schicksal hadernd, weiß sie nun um ihren Wert. "Die Leute schauen mich heute an, ohne mitleidsvoll den Kopf zu schütteln. Sie verstehen, dass ich ein wertvoller Teil der Gesellschaft bin", meint die 22-jährige Ashita.
Community Development Library (CDL) hat mit Unterstützung der Andheri-Hilfe ein Informationszentrum in Sylhet errichtet, um Menschen mit Behinderungen Zugänge zu Entwicklungspfaden zu verschaffen - unter aktiver Beteiligung dieser Gruppe. Die Arbeit von Organisationen, die sich der Zielgruppe behinderter Menschen annehmen, soll verbessert werden. Andere Organisationen sollen dazu gebracht werden, diese Zielgruppe in bestehende oder neue Programme aufzunehmen. Die Programme sollen nicht "von der Stange kommen", sondern zusammen mit den Betroffenen erarbeitet werden.

Ein ländliches Informationszentrum ist nicht nur ein Ort, wo wichtige Informationen zum Thema "Behinderungen" angeboten werden. Vom Informationszentrum aus beginnt CDL den Dialog (z.B. Gespräche am Runden Tisch, Arbeitstreffen, Planungsseminare) mit verschiedenen Interessengruppen, z.B. Vertretern lokaler Entwicklungsorganisationen und der Verwaltung, Lehrern, Medienvertretern, Geistlichen und natürlich Menschen mit Behinderungen. Letztere erklären ihre Probleme und Erwartungen und machen deutlich, wie sie sich eine verbesserte Lebenssituation vorstellen. CDL liefert unterstützende Medien, z.B. Videodokumentationen, die auf Leinwänden zu sehen sind, organisiert Kundgebungen und verteilt Flugblätter.
Der gewählte Ansatz schafft nicht nur ein gemeinsames Problemverständnis und mehr Solidarität. Oft schafft er auch die Grundlage für eine Zusammenarbeit zwischen den Entwicklungsorganisationen oder zwischen Entwicklungsorganisationen und der lokalen Verwaltung. Dies fehlt oft in Bangladesch.
Eine Auswertung der bisherigen Arbeit zeigt, dass sich Indikatoren wie soziale Akzeptanz, Bildung, Gesundheit und Einkommen verbessert haben. Das liegt auch daran, dass mittlerweile viele lokale Entwicklungsorganisationen Menschen mit Behinderungen als Zielgruppe entdeckt und sie in bestehende Gruppen integriert haben.
Die junge Siria ist mittlerweile eine Art Botschafterin geworden. Sie motiviert andere Menschen mit Behinderungen dazu, sich zu zeigen und selbstbewusst Rechte einzufordern. "Wer sich versteckt, gibt sich auf. Wir wollen nicht aufgeben. Wir wollen aufbrechen!" Wohin, weiß jeder, der in dieses entschlossene Gesicht schaut.

Dr. Martin Peter Houscht
Projektreferent Bangladesch/ Nordostindien,
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