

Von Kirsten Strasser
Die Mainzer haben eine ganz große Chance: Mit vielen "Klicks" können sie den "Deutschen Engagementpreis" in ihre Stadt holen. Mit ihrem Einsatz für die Andheri-Hilfe haben es die "Botschafter für mehr Menschlichkeit" nämlich geschafft, für den mit 10 000 Euro dotierten Publikumspreis nominiert zu werden. Und wer den bekommt, das bestimmen die Bürger mit ihrer Stimmabgabe im Internet.
"Es wäre so toll, wenn wir es schaffen könnten", lächelt Ulrike Hanschur, Lehrerin an der Martinusschule Weißliliengasse. Die Schule war der Ort, an der alles begann - vor ziemlich genau vier Jahren. Es war im Jahr 2006, als Ulrike Hanschur für ihre damalige fünfte Klasse ein St.-Martins-Projekt suchte und in der Andheri-Hilfe fand. Die Organisation behandelt erblindete Menschen in Bangladesch - umgerechnet 40 Euro kostet die Operation, die einem erblindeten Kind oder Erwachsenen das Augenlicht zurück gibt.
Die Fünftklässler sammelten Geld und "stifteten" die ersten Augenlichter. Das Thema ließ sie nicht mehr los: In Bangladesch gab es Kinder, so alt wie sie, die so leicht zu heilen waren! Denen man eine Zukunft schenken konnte! Die Martinusschüler blieben "dran", veranstalteten als "Botschafter für mehr Menschlichkeit" Jahr für Jahr Aktionen zugunsten der Andheri-Hilfe und fanden viele Mitstreiter. Heute gibt es "Botschafter" in vielen Gemeinden in der Nähe von Mainz, aber auch weiter weg, darunter Schüler und Messdiener, Sternsinger, Vereine, Unternehmen. Und auch in der Martinusschule wachsen junge Botschafter heran. Die "Ur-Botschafter" sind übrigens heute Neuntklässler und überlegen gerade, welche Aktivitäten für die Andheri-Hilfe sie im diesjährigen St-.Martins-Projekt verwirklichen können. Wie spannend waren für sie die vergangenen Jahre! Die Gründerin der Andheri-Hilfe, die charismarische Lehrerin Rosi Gollmann, durften sie persönlich kennenlernen. Mit ihrem "Botschaftersong" durften sie den Europatag in Bonn eröffnen, von "KIKA" wurden sie zu "Helden" ernannt und beim Sharety Award erhielten sie den Sonderpreis "Kreativität".
Das alles ist hochverdient - schließlich haben die "Botschafter" mittlerweile über 900 Menschen in Bangladesch eine OP finanziert und ihnen so das Augenlicht geschenkt.
Das fanden auch die Leute toll, die hinter dem Engagementpreis und der Kampagne "Geben gibt" stecken; Hauptförderer sind das Bundesfamilienministerium und die Generali Zukunftsfonds. Unter 1 800 vorgeschlagenen Projekten suchten sie die 20 besten für die Wahl für den Publikumspreis aus - darunter die "Botschafter". Natürlich lockt das Preisgeld, gibt Ulrike Hanschur zu. Das soll freilich nicht verjubelt werden. 10 000 Euro - die bedeuten 250 geschenkte Augenlichter, also 250 Menschen, die wieder sehen können!
"Jetzt hoffen wir, dass ganz viele Menschen bei der Abstimmung mitmachen und für uns voten", sagt Ulrike Hanschur. Abgestimmt wird ausschließlich übers Internet, damit die Wahl fair bleibt, hat jeder nur eine Stimme. "Wir liegen etwa im Mittelfeld, brauchen also noch viele Klicks", erklärt die Lehrerin. Bis Montag, 15. November, hat jeder Zeit, seine Stimme abzugeben.