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Projekt-Steckbrief

Projekttitel

Integriertes Ressourcenmanagement in Chamarajanagar (I-67-33/05)

Partnerorganisation

Organisation for the Development of People (ODP)

Finanzierung

Die Andheri-Hilfe unterstützt das Projekt im Zeitraum 01/05 bis 12/09 mit 273.500 Euro; die EU stellt im Rahmen einer Kofinanzierung 511.147,50 Euro zur Verfügung

Hauptaktivitäten

Förderung von Frauen- und Männergruppen sowie Dorfkomitees durch Trainings und Weiterbildungen

Erosionsschutz- und wasserbauliche Maßnahmen (z.B. Einfassen der Felder mit Wällen)

Ökologische Anbaumethoden (z.B. Kompost, Aufforstung)

Einkommen schaffende Maßnahmen

Kosten

Abflusskanal aus Stein zur Konservierung von Wasser: 22 Euro

Monatliches Gehalt für einen Landwirtschaftsberater: 97 Euro

Planungssitzungen mit dem Personal und der Dorfbevölkerung (50 Personen): 48 Euro

Wasser ist eine der wichtigsten Lebensgrundlagen, sei es als Trinkwasser für Mensch und Tier, als Brauchwasser oder für die Landwirtschaft. So ist die Wasserknappheit oft ein zentrales Problem und trifft insbesondere die ärmsten Menschen. Der Chamarajanagar Distrikt im südindischen Bundesstaat Karnataka wurde von der Regierung während der letzten 5-6 Jahre zum Dürregebiet deklariert. Unser dortiger Projektpartner "Organization for the Development of People" hat bereits viele Erfolge erzielt hinsichtlich einer besseren Nutzung der natürlichen Ressourcen Wasser, Boden, Pflanzen und Wald.

Nach einer einjährigen Vorphase begann 2005 ein umfassendes Ressourcenmana-gementprojekt in fünf abgelegenen und sehr armen Dörfern mit 1640 Familien. Die Bewohner siedelten sich vor 50-60 Jahren aus dem Nachbarstaat Tamil Nadu an, als sie durch den Bau eines Staudamms ihren Grund und Boden verloren. Nicht die Lokalsprache sprechend werden sie oft diskriminiert. Von dem Projekt profitieren insbesondere die Familien von Klein- und Kleinstbauern sowie von landlosen Gelegenheitsarbeiter. Ihr Lebensunterhalt hängt von der Landwirtschaft und somit von den natürlichen Ressourcen ab, die allerdings stark degeneriert waren. Wenn Regen fiel, traf er auf einen weitgehend nackten Boden, floss ungenutzt ab und führte zu Bodenerosion. Die landwirtschaftliche Produktion reichte nicht zum Überleben und bot nur für einen Teil des Jahres Arbeit für Kleinbauern und landlose Tagelöhner. Alternative Einkommensmöglichkeiten existierten nicht. Von März bis Juni leideten die Familien unter Ernährungsmangel, Wasserknappheit herrschte sogar von November bis Mai. Um das Überleben der Familien zu sichern, waren die Männer gezwungen, während 4-8 Monaten im Jahr auf der Suche nach Arbeit und Einkommen in Städte oder umliegende Steinbrüche zu migrieren. Frauen, Kinder und ältere Menschen wurden in den Dörfern in äußerster Armut zurückgelassen und kämpften darum, wenigstens eine Mahlzeit am Tag zu haben.

Die meisten Familien waren bei privaten Geldverleihern oder Großgrundbesitzern hoch verschuldet. Um das geliehene Geld und die Zinsen, die bis zu 120 % betragen, zurückzahlen zu können, verkauften sie oft direkt ihre landwirtschaftliche Produktion und das wenige Land, das sie besitzen. Können sie den Rückzahlungsforderungen trotzdem nicht nachkommen, sind sie gezwungen, ohne Lohn für die Geldverleiher zu arbeiten und geraten buchstäblich in Leibeigenschaft.

Ein von der Bevölkerung getragenes Ressourcenschutzprojekt ist ein sehr viel versprechender Ansatz, diesen Teufelskreislauf aus Verschuldung und Armut zu durchbrechen und die Lebensgrundlagen dieser Menschen zu sichern. Zahlreiche wasserbauliche Maßnahmen konnten zu einer verbesserten Nutzung des vorhandenen Wassers und höherer Bodenfruchtbarkeit führen. So wurden beispielsweise Erosionsschutzwälle entlang der Höhenlinien angelegt und 237 Wasserrückhaltebecken und 57 Regenwasserauffanganlagen gebaut. Wasser wird so besser gespeichert und der Grundwasserspiegel steigt. Die Versorgung von Menschen und Tieren mit Wasser wird gesichert. Die landwirtschaftlichen Erträge steigen, was neben einer besseren Nahrungsversorgung zu mehr Arbeit und damit Einkommen führt.

Der positive Effekt dieser Baumaßnahmen zur Regenerierung der natürlichen Lebensgrundlagen wird durch verbesserte landwirtschaftliche Produktionsmethoden verstärkt. So wurden bisher 169.985 Bäume gepflanzt und 700 Kompostanlagen sowie 225 einfache Anlagen zur Herstellung von biologischen Pflanzenschutzmitteln errichtet. Die Produktivi-tät wird gesteigert und zusätzliches Einkommen kann durch z.B. Obstbäume erwirtschaftet werden.

490 landlose Familien wurden gezielt dabei unterstützt, zusätzliches Einkommen zu erwirtschaften und erhielten Kühe, Schafe und Hühner. So wurde eine Einkommenssteigerung von 50-100 Euro im Monat erreicht. In der Regel werden die Tiere an Frauen aus diesen Familien gegeben, die doppelt benachteiligt sind. Auch der Anbau von Futterpflanzen wird gefördert.

Das gesamte Projekt wird von Frauen- und Männergruppen und deren Zusammenschlüssen auf Dorfebene getragen. Ein zentrales Anliegen des Projektes ist es daher, diese Organisationen so zu fördern, dass sie in Zukunft in der Lage sein werden, den begonnen Entwicklungsprozess ihrer Dörfer eigenständig fortzusetzen. Zahlreiche Fortbildungen zur Stärkung der organisatorischen wie technischen Fähigkeiten haben bereits stattgefunden. Alle Gruppen bilden Spar- und Kreditgemeinschaften, so dass sich die Gruppenmitglieder untereinander Geld leihen können, für Banken ihre Kreditwürdigkeit unter Beweis stellen und somit unabhängig von privaten Geldverleihern mit ihren Wucherzinsen werden.

Der Schwerpunkt der einjährigen Vorphase lag in der Planung dieses umfassenden Projektes gemeinsam mit der Bevölkerung der Dörfer. Somit ist gewährleistet, dass die geplanten Aktivitäten auf die Bedürfnisse der Menschen antworten und sie sich von Anfang an mit dem Projekt identifizieren.

Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Armutsreduzierung und stärkt insbesondere Frauen sowie die sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen, am Entwicklungsprozess teilzuhaben.


 


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