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Andheri-Hilfe Bonn

"Ich heiße Yellasiri Hymavathi. Ich bin in dem Dorf Induru geboren. Das liegt in Indien, genauer gesagt im Bundesstaat Andhra Pradesh. Ich wuchs mit meiner Mutter und meinen Geschwistern auf. Einen Vater gab es nicht in unserer Familie. Natürlich fragte ich meine Mutter danach, aber sie gab immer nur ausweichende Antworten. Das tat mir weh. Vor allen Dingen, weil die anderen Kinder mich oft deswegen hänselten. Manchmal wurde ich sogar bespuckt. Und wenn doch einmal ein Mädchen meine Freundin sein wollte, dann verboten es deren Eltern sofort. Ich verstand damals nicht wieso. Vermutlich weil wir keinen Vater hatten. Das ist in Indien etwas ganz Schlimmes.

Erst als ich älter wurde, verstand ich nach und nach: Meine Mutter ist eine 'Mathamma'. Eigentlich ist 'Mathamma' eine Göttin. Sie ist uns Hindus ganz wichtig. Und meine Mutter hat mir erzählt, dass ihre Eltern sie, als sie klein war, in den Tempel gebracht und sie dort der Göttin Mathamma geweiht haben. Das muss sehr feierlich gewesen sein und meine Mutter war sehr stolz, jetzt auch eine 'Mathamma' zu sein. Als sie etwa so etwa 12 Jahre alt war, durfte sie dann die Tempeltänze lernen. Das hat ihr Spaß gemacht. Getanzt hat sie immer gerne! Erst später erfuhr meine Mutter, dass das Tanzen für die Göttin nicht ihre einzige Aufgabe sein würde. War ein Tempelfest zu Ende, dann fing für sie die Hölle an: Jeder Mann konnte kommen und verlangen, mit ihr zu schlafen. Sie durfte nicht ablehnen! Eine "Mathamma" muss sich den Männern fügen. Ich war so schockiert, als ich das erfuhr! Wie viel schlimmer muss es für meine Mutter gewesen sein! Immer und immer wieder wurde sie missbraucht. Das ist so schrecklich! Jetzt weiß ich auch, wieso wir Kinder keinen Vater haben. Und jetzt weiß ich auch, weshalb wir so verachtet werden.

Aber eigentlich muss ich sagen: 'wurden', denn in den letzten Jahren hat sich unser Leben sehr verändert. Herr Vengaiah kam zu meiner Mutter, lud sie zu 'Mathamma-Treffen' ein. Er hielt auch Dorfversammlungen ab und sprach mit der Polizei. Seitdem weiß jeder im Dorf, dass es streng verboten ist, eine 'Mathamma' zu missbrauchen. Manche Männer haben erst gemurrt, aber schließlich hat jeder im Dorf akzeptiert, dass diese Tempelprostitution ein für alle Mal ein Ende hat! Und was mich besonders freut: Die Leute im Dorf haben jetzt auch verstanden, dass meine Mutter nichts Unrechtes getan hat. Sie konnte sich doch gar nicht wehren. Herr Vengaiah und die Andheri-Hilfe in Deutschland haben jetzt meiner Mutter und vielen anderen Frauen geholfen, dass sie eine andere Arbeit finden, z.B. als Näherin. Und sie haben uns Kindern geholfen. Ich habe jetzt z.B. ein Stipendium bekommen und kann das College in Nellore besuchen. Ich bin sehr glücklich, dass sich das Leben meiner Familie so positiv verändert hat!"