Hilfe für weibliche Gewaltopfer
Situation: Das Projektgebiet liegt im Kanyakumari Distrikt des Bundesstaates Tamil Nadu (Südindien). In diesem Distrikt leben 85% der Menschen in Dörfern. Landwirtschaft ist oft ihre einzige Einkommensquelle. Dabei ist der Landbesitz sehr ungerecht verteilt. Nur 25% der Menschen besitzen 75% des Landes. Viele Menschen sind ohne Land und müssen sich als Tagelöhner bei den Landbesitzern verdingen. Die ländliche Armut ist groß. Diese Armut führt zu gesellschaftlichen Spannungen, die sich oft in Form von seelischer und körperlicher Gewalt entladen. Opfer sind fast immer Frauen, das schwächste Glied der Gesellschaft, denn sie spielen in Indien gesellschaftlich eine untergeordnete Rolle. Familiäre Gewalt oder auch sexuelle Gewalt durch den Arbeitgeber sind leider an der Tagesordnung. Die Frauen, nahezu ohne Lobby in der indischen Gesellschaft, haben keinen Zufluchtsort, um sich vor Gewalt schützen zu können. Sie werden sogar für die Gewalt gegen sie noch mitverantwortlich gemacht. Unser Projektpartner "Kottar Social Service Society" nimmt sich der betroffenen Frauen an. Mit Hilfe der Andheri-Hilfe Bonn wurde eine sogenanntes Frauenhaus eingerichtet, in dem die Frauen Zuflucht suchen können. Dort erhalten sie psychologische und medizinische Betreuung und Psychologen versuchen, die Frauen mit ihren Männern und ihren Familien wieder zu versöhnen. Sie dürfen dort bleiben solange sie wollen und auch ihre Kinder mitbringen. Außerdem gibt es für die Frauen dort die Möglichkeit, einen handwerklichen Beruf zu erlernen. Denn, wenn die Frauen auch Geld mitverdienen, so steigt meist ihr soziales Ansehen und sie werden von ihren Ehemännern besser behandelt.
Das Projekt wurde März 2007 erfolgreich abgeschlossen und das Zentrum wird nun von der katholischen Diözese in Tamil Nadu finanziert. Die folgenden Beispiele zeigen, wie Frauen geholfen werden konnte: Zum Beispiel Frau Rengitham (32 Jahre alt), die Herpes an der Lippe hatte. Ihre Familie und die Dorfmitglieder dachten, dass sie Lepra hätte und haben sie deshalb verstoßen. Sie fand Zuflucht im Frauenhaus und konnte nach Heilung der Herpes und Aufklärung der Dorfmitglieder über die Harmlosigkeit dieser Krankheit wieder in ihr Dorf zurück kehren. Ohne das Frauenhaus hätte sie wohl auf der Straße als Bettlerin überleben müssen. Oder Frau Yasotha: Sie ist verheiratet mit Herrn Madhavan, der sie verstieß, weil er sich in ihre jüngere Schwester verliebt hatte. Sie suchte Zuflucht im Frauenhaus und schilderte dort ihr Problem. Die Mitarbeiter des Frauenhauses konnten nach langen Gesprächen mit beiden das Problem lösen und sie wieder vereinen. Für die jüngere Schwester wurde ein Ehemann gesucht und gefunden. Auch sie hätte sonst als verstoßene Frau nur als Bettlerin oder Tagelöhnerin überleben können und wäre weiterer Gewalt hilflos ausgeliefert gewesen.
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