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Andheri-Hilfe Bonn

Aufbau und Stärkung der Hausangestellten-Gewerkschaft "Manushi"

Projekt-Kurzinformationen

Projekttitel
Aufbau und Stärkung der Hausangestellten-Gewerkschaft "Manushi"

Projektorganisation
Centre for Women's Development and Research

Projekt-Nummer
I-61-61/07

Finanzierung

Die Andheri-Hilfe unterstützte das Projekt im Zeitraum 1/07 bis 04/11 mit 98.619 Euro; das BMZ stellte im Rahmen einer Kofinanzierung 347.649 Euro zur Verfügung.

Zur Zeit finanziert die Andheri-Hilfe eine Zwischenphase.

Hauptaktivitäten

  • Schulungen der Gewerkschaftsmitglieder
  • Aufbau von Kleinunternehmen und Berufsfortbildung
  • Dokumentation und Verbreitung von Informationen
  • Lobbyarbeit und Kampagnen für Frauen- und Arbeitsrechte

Kosten

  • Monatsgehalt einer einfachen Mitarbeiterin: 100 Euro
  • Viertägige Schulungen für Hausangestellte mit 40 Teilnehmern: 266 Euro
  • Zehntägiges Training für zehn Frauen zum Aufbau eines Catering Service: 500 Euro

  

Seit 1998 unterstützt die Andheri-Hilfe Projekte des Centre for Women`s Development and Research (CWDR) im Bereich Förderung von Frauenselbsthilfeorganisationen in den Slums Chennais, der viertgrößten Metropole Indiens. In den 79 Slums, die das Projektgebiet umfasst, leben ca. 12.000 Haushaltshilfen. 

Während Frauen in Indien generell benachteiligt werden, ist ihre Situation in den großstädtischen Slums besonders prekär. Haushaltshilfen gehören zu den am stärksten benachteiligten Frauen.  

Das im Januar 2007 begonnene umfassende vierjährige Projekt zum Aufbau der Hausangestelltengewerkschaft "Manushi" ist das Ergebnis der über 10-jährigen, intensiven Arbeit von CWDR mit armen Slumfrauen und -mädchen in Chennai. CWDR greift in ihrer Arbeit die von den lokalen Frauengruppen als wichtig identifizierten Probleme auf. Seit vielen Jahren engagiert sich CWDR daher für die Anliegen der Haushaltshilfen.

 

1999 hat CWDR gemeinsam mit anderen NGOs durch massive Proteste und Kampagnen erreicht, dass sie ebenfalls Anrecht auf staatliche Sozialleistungen (z.B. Mutterschutz) beantragen können. Ein Anspruch konnte jedoch nur über eine Gewerkschaft oder den Arbeitgeber erworben werden. Eine Gewerkschaft für Hausangestellte existierte nicht und die Arbeitgeber hatten daran kein Interesse. Im Juli 2005 gelang es, die Hausangestelltengewerkschaft "Manushi" (übersetzt: Menschen weiblichen Geschlechts) offiziell zu registrieren - gegen den Widerstand der Behörden, da diese Art der Tätigkeit nicht als produktive Arbeit anerkannt wurde. Anfang 2007, d.h. mit Projektbeginn, wurde von der Regierung in Tamil Nadu das sog. „Domestic Workers Welfare Board“ eingerichtet, eine von CWDR seit vielen Jahren geforderte Regierungsstelle für Hausangestellte. Jahrelange Lobbyarbeit und Advocacy-Aktivitäten hatten also schließlich Erfolg. Tamil Nadu ist der einzige Bundesstaat mit einer speziellen Regierungsstelle für Hausangestellte!

 

Hausangestellte müssen sich über eine Gewerkschaft oder ihren Arbeitgeber (die aber meist ihre Unterschrift verweigern) registrieren lassen, um bestimmte Sozialleistungen in Anspruch nehmen zu können. Die Gewerkschaft Manushi macht ihnen dies nun möglich. Neben finanziellen Leistungen (z.B. bei der Geburt eines Kindes, Ausbildung der Kinder, Unfallfolgen, Tod, Rente) werden Hausangestellte jetzt endlich als produktive Arbeitskräfte offiziell anerkannt. Doch die Zusammenarbeit mit der Regierungsstelle gestaltete sich schwierig. Sie war mit nur unzureichenden Ressourcen ausgestattet und die Registrierung der Hausangestellten verlief schleppend. Im März 2008 wurden die Einschreibungen durch einen neuen Regierungserlass gar ganz gestoppt. Gemeinsam mit anderen NGOs setzte sich CWDR gegen diesen Erlass ein und erreichte, dass im Februar 2009 die Arbeit der Regierungsstelle wieder aufgenommen wurde. Dennoch wurde die Registrierung der Hausangestellten nun erschwert. Da ein Beamter die Frauen am Arbeitsplatz besuchen muss, dauert der Registrierungsprozess mittlerweile 8-12 Monate. Da die sog. „unorganisierten“ Arbeiter (zu denen auch die Hausangestellten gehören) in Indien 90 % der Arbeiter und damit die Mehrheit der Wähler ausmachen, waren die Parlamentswahlen 2009 ein wichtiger Zeitraum für Kampagnen-, Lobby- und Advocacy-Arbeit. Auch 2010 setzen sich die Frauen öffentlichkeitswirksam für die Einrichtung eines Mindestlohns ein und sammelten 10.000 Unterschriften. Bis zum Ende der Projektlaufzeit im April 2011 waren bereits 4870 Frauen Mitglieder der Gewerkschaft Manushi geworden (geplant waren 2000). Von diesen konnten sich bereits 2850 Frauen bei der Regierungsstelle für Hausangestellte registrieren lassen und haben nun Anspruch auf Sozialleistungen. Dazu kommen noch weitere 3500 Frauen, die ebenfalls Manushi angehören und in 14 Zweigstellen in Tamil Nadu im Rahmen eines Netzwerkes von anderen Andheri-Hilfe Partnerorganisationen betreut werden. 

 

CWDR stärkt Manushi mit gezielten Schulungen und prozessorientierten Beratungen, denn Ziel ist die Frauen langfristig und nachhaltig zu stärken.

Insgesamt 3400 Frauen nahmen an sogenannten Orientierungstrainings teil, in denen sie u.a. zu der Führung einer Gewerkschaft, zu Arbeits- und Frauenrechten, Regierungsprogrammen und aktuellen politischen Geschehnissen geschult wurden.

Manushi zielte weiterhin darauf ab, die Einkommensmöglichkeiten der Frauen als Hausangestellte zu stärken und ihnen alternative Einkommensmöglichkeiten als Kleinunternehmerinnen zu eröffnen. Haushaltsnahe Dienstleistungen (z. B. ein Catering Service) wurden als Modellunternehmen aufgebaut, 674 Haushaltshilfen wurden beruflich fortgebildet. Mitglieder von Manushi konnten ihr Monatsgehalt im Durchschnitt verdoppeln. Hausangestellte, die an einer Berufsfortbildung im Bereich Haushaltsführung und/oder Kochen teilgenommen haben, verdienen sogar deutlich mehr (z.B. vorher Rs. 1000 im Monat für 4 Stunden täglich, hinterher Rs. 3000 für 5 Stunden täglich). Einige alleinstehende Manushi Mitglieder haben nach dem Catering Training Anstellungen als Köchinnen oder in Hotels bekommen. Einige Frauen haben den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und verdienen damit zwischen Rs. 3000  bis Rs. 4000 im Monat.

CWDR richtete auch eine eigene Arbeitsvermittlung für Hausangestellte ein, die zunächst nur zögerlich angenommen wurde, da nur wenige Arbeitgeber bereit waren angemessene Löhne zu zahlen. Da jedoch qualifizierte und ausgebildete Hausangestellten besonders für bessergestellte Familien interessant sind, wird das Angebot nun besser genutzt.  

Auch allein stehende Frauen haben in Indien einen schweren Stand. Daher gründete CWDR eine eigene Vereinigung für diese Frauen. 1380 Frauen fanden sich bisher bei der Vereinigung Maithri (Freundin) zusammen, um sich gemeinsam in ihrer schwierigen Lage zu stärken. Auch sie konnten an Berufsfortbildungen teilnehmen und konnten damit ihr Einkommen mehr als verdoppeln. Für junge Mädchen wurde ebenfalls eine eigene Vereinigung gegründet. 2420 Mädchen kommen bei Snehidi zusammen und nahmen an Schulungen zur Sexualerziehung und Persönlichkeitsentwicklung, zu Gesundheit und Ernährung sowie zu Frauenrechten teil. In zwei Lern- und Ressourcenzentren konnten die Mädchen die Bibliothek sowie die Computerräume für ihre Schulaufgaben nutzen und hatten die Möglichkeit an verschiedenen Schulungen, etwa zur englischen Sprache, zum Umgang mit dem Computer sowie zur Berufsberatung teilzunehmen.  

CDWR setzt sich für die Dokumentation und Verbreitung von Informationen zum Thema Frauenrechte ein. Es wurden zwei Internetseiten in Tamil entwickelt, die über die Arbeit von Manushi und Snehidi informieren und es wird quartalsweise ein Newsletter veröffentlicht. Informationsmaterial zu aktuellen Themen wird laufend zusammengestellt und in Umlauf gebracht, so werden die Frauen z.B. über häusliche Gewalt aufgeklärt. Zudem hat CWDR ein Ressourcenzentrum aufgebaut, in dem den Frauen verschiedenste Quellen zum Thema Frauenrechte zugänglich gemacht werden.  

Das Projekt in den Slums von Chennai versteht sich als Beitrag zur Armutsbekämpfung von Slumbewohnerinnen. Es sollte dazu beitragen, die sozioökonomische Situation und die Rechte der benachteiligten Frauen nachhaltig zu stärken. Diese Ziele wurden erreicht. Die Gewerkschaft Manushi wird sich langfristig für die Belange der Slumbewohnerinnen einsetzen und gibt den Frauen eine Stimme. Die Frauen haben gelernt sich in ihrer Familie, in der Gemeinschaft und an ihrem Arbeitsplatz für ihre Rechte einzusetzen. Alle Mitglieder von Manushi konnten bei ihren Arbeitgebern höhere Löhne für sich aushandeln. Ihr durchschnittliches Monatsgehalt verdoppelte sich im Vergleich zu dem Gehalt, was sie zu Beginn des Projektes erhielten. Nicht-Gewerkschaftsmitglieder konnten keine solche Steigerung für sich erreichen. Auch verbesserten sich ihre Arbeitsbedingungen (ein freier Tag pro Woche, keine Gewaltanwendung). Alleinstehende Frauen setzen sich mit Mahitri für eine Verbesserung ihres Ansehens ein und jungen Mädchen eröffnen sich bei Snehidi neue Perspektiven. 

Da es sich hier um ein Empowerment Projekt handelt, ist eine längerfristige finanzielle Unterstützung durch die Andheri-Hilfe nötig und sinnvoll. Zur Zeit finanzieren wir eine Zwischenphase und planen gemeinsam mit CWDR eine dreijährige Konsolidierungsphase, die aus Eigenmitteln der Andheri-Hilfe finanziert werden soll. Hauptziel wird sein, die Verantwortung für Fortbildungen an die drei Organisationen zu überführen sowie die finanzielle Eigenständigkeit der drei Organisationen an der Basis vorzubereiten.

 

Lesen Sie hier den ausführlichen Abschlussbericht für den Projekt-Zeitraum 1/07 bis 04/11. Zur Zeit finanziert die Andheri-Hilfe eine Zwischenphase. 

Ihre Ansprechpartnerin

Barbara

von Hillebrandt-Jung

Projektreferentin Südindien, Westindien

Tel: 0228/ 926 525 32
 barbara.hillebrandt@
andheri-hilfe.org