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Projekttitel Adivasi kämpfen für ihre Rechte (I-109-22/05) Projektort Partnerorganisation | Projektziele Adivasi in den vom Staudamm bedrohten Dörfern sollen ihre Rechte durchsetzen können Hauptaktivitäten Aufklärung über die Staudamm-Planungen und die zu erwartenden Auswirkungen Organisation der Adivasi in Komitees und Vernetzung dieser Komitees untereinander Sammlung von Daten über die tatsächlichen Zerstörungen durch den geplanten Damm Beantragung schriftlicher Landtitel für die Adivasi in diesem Gebiet |
Auszug aus einem Artikel der indischen Zeitung „Business Standard“ vom 13. Februar 2008: "... in dem Polavaram-Projekt ... müssen 200.000 Menschen umgesiedelt werden... Auch wenn sich die Regierung zunächst die Umwelt-Genehmigung mit falschen Angaben erschlichen hat, hat sie wirklich geglaubt, damit durchzukommen? In der Vergangenheit wurden Proteste mit weit weniger als 200.000 Menschen durchgeführt, die auf Missstände aufmerksam machten. Die Moral der Geschichte ist einfach: Wo immer die Menschen einbezogen sind, vor allem in großer Zahl, ist es nicht mehr möglich, einfach auf ihren Rechten herumzutrampeln. Wenn Projekte, die Land brauchen, realisiert werden sollen, so ist dies nur möglich mit Unterstützung oder zumindest Einwilligung derjenigen, die umgesiedelt werden.... Je eher die Regierung dies versteht, desto besser."
Frau Tokala Akkamma hat das ganze Leben in ihrem Dorf verbracht. Dort bewirtschaftet sie ihre kleinen Felder und besitzt einige Tamarinden- und Mangobäume. Davon kann sie nur ein karges Leben führen, ein Leben, sehr ähnlich dem ihrer Vorfahren. Tokala ist eine "Adivasi", ihr Stamm gehört zu den "ersten Siedlern Indiens". Die Adivasi haben es nicht leicht. Das Überleben zu sichern, ist eine ständige Herausforderung. Zudem versuchen Fremde immer wieder, ihnen ihr Land streitig zu machen. Von den "Nicht-Adivasi" werden sie stark diskriminiert. Dennoch wollen sie ihre Heimat und ihren Lebensstil nicht aufgeben. Hier sind ihre Wurzeln. Hier ruhen ihre Ahnen. Hier leben ihre Götter. Seit dem Jahr 2005 ist eine weitere Bedrohung hinzu gekommen. Immer mehr hört man vom geplanten "Polavaram-Staudamm-Projekt". Tokala berichtet, dass sie alle sehr erstaunt waren, als 2005 (erstmals!) Regierungsvertreter in ihr abgelegenes Dorf kamen. Ja, sie erwähnten wohl etwas von einem Staudamm. Aber sie sprachen vor allem davon, was sie - die Dorfbewohner - alles erhalten würden: fruchtbares Land, Häuser, Schulen usw.
Tokalas Heimat zählt zu den etwa 300 Dörfern, die vielleicht demnächst für immer von der Landkarte verschwinden werden. Die Pläne für den Polavaram-Damm an der Godavari existieren seit Jahrzehnten. Je nach Regierung wurden sie mal ernsthaft verfolgt, dann wieder in die Schublade gelegt. Doch die jetzige Regierung will Ernst machen, will für Bewässerung sorgen und vor allem für Elektrizität in den großen Städten und für die Industrie. Dabei haben die Überschwemmungen im August 2006 im Gebiet der Godavari ein weiteres Risiko deutlich gemacht: Wäre der Damm bereits gebaut, so wären die Schäden noch weit größer gewesen als ohnehin schon.
Die Baukosten werden enorm sein und erfahrungsgemäß nicht bei den Planzahlen bleiben. Aber den größten Preis wird nicht die Regierung, sondern die Adivasi zahlen. Selbst nach Regierungsangaben werden mindestens 236.834 Menschen ihre Heimat verlieren. Sie alle umzusiedeln, ihnen allen angemessene Entschädigung zu gewähren, das scheint völlig utopisch. Spätestens seit dem Bau der Narmada-Staudämme vor zwanzig Jahren weiß man, dass die Versprechungen nicht eingehalten werden und nur ein kleiner, meist besser gestellter Teil der Bevölkerung entschädigt wird. Die einfachen Leute wie Tokala haben keine schriftlichen Landtitel. Ohne Landtitel keine Entschädigung! Wen interessiert es, ob diese Stämme hier seit Jahrhunderten gelebt haben?
Und was die Bewässerungsmöglichkeiten angeht: Da gibt es weit bessere Lösungen, die weniger Zerstörung und nachhaltigere Hilfe bringen. Der Energiehunger von Industrie und Großstädten ist sicher ein drängendes Problem - aber müssen die Adivasi den Preis dafür zahlen?
Die Andheri-Hilfe unterstützt seit April 2005 drei Partnerorganisationen im Gebiet des geplanten Polavaram-Staudamms im Kampf um ihr Überleben. Viele Dorfbewohner des betroffenen Gebietes hatten bis dato keine Kenntnis vom Bau des Staudamms und dessen Auswirkung auf ihr zukünftiges Leben. Hier setzte die Arbeit unserer Partner an: Freiwillige Helfer informieren die Bevölkerung, helfen bei der Bildung von Komitees, organisieren Treffen und Protestaktionen, helfen beim Erlangen der so wichtigen schriftlichen Landtitel und sammeln Daten über die tatsächlichen Zerstörungen durch diesen Staudamm, die sie den Regierungsstellen vorlegen.
So werden Erfolge erzielt
Die Arbeit zeigt wichtige Fortschritte. Die Adivasi wissen heute um die Bedrohung und auch um ihre Rechte als indische Staatsbürger. Verstärkt finden Protestaktionen statt, die die politischen Kräfte in Bedrängnis bringen. Die Stimmen der betroffenen Adivasi, die jetzt in ihren ARS-Komitees organisiert sind, werden immer stärker gehört.
Das Gesetz für "Rehabilitation und Umsiedlung", das die indische Bundesregierung erst 2007 in einer Neufassung beschlossen hat, räumt den von Umsiedlung betroffenen Menschen weitgehende Rechte ein. So müssen z.B. all diejenigen, die umgesiedelt werden sollen, vor Projektbeginn ihre schriftliche Einwilligung erteilen.
Die Regierung muss erklären, wo sie Land finden will für 200.000 Menschen, die traditionell im Wald und vom Wald leben.
Die Nationale Umweltbehörde hob im Januar 2008 die im Jahre 2005 vom Ministerium für Umwelt und Wälder erteilte Projektgenehmigung auf. Das erste Mal in der Geschichte dieser Behörde, dass sie einen solchen Schritt unternahm!
Wissenschaftler schließen sich der Kritik an. Das Internationale Institut für Wassermanagement hat den Dammbau grundsätzlich in Frage gestellt: Die Berechnungen, denen zufolge mit Hilfe dieses Dammes Wasser vom Godavari-Fluss zum Nachbarfluss Krishna geleitet werden könne, gingen von einer gleichmäßigen Durchschnittsmenge an Wasser im Fluss aus. Tatsache sei jedoch, dass die Godavari vorwiegend durch den Monsunregen gespeist werde, dass 70 % des Regens zwischen Juni und September falle und im übrigen Teil des Jahres überhaupt kein "überschüssiges Wasser" zu verteilen sei. Wasser im großen Stile aus der Godavari abzuziehen, würde zudem dramatische Auswirkungen auf die Umwelt haben: Riesige Naturgebiete würden in den Fluten versinken, das Mündungsdelta würde weiter verlanden, die wichtigen Mangrovenwälder würden sterben.
Genau deshalb machen wir weiter, unterstützen wir unsere drei Partnerorganisationen bei der Aufklärung der Bevölkerung, bei der Sammlung von Daten, bei der Verhandlung mit der Regierung, beim Kampf um ihre Rechte. Als mündige, aufgeklärte Bürger Indiens sollen sie ihre Entscheidung frei treffen können, denn es geht um ihr Leben und das ihrer Kinder.

Wenn auch Sie diese Menschen unterstützen wollen, helfen Sie uns mit einer Spende unter dem Stichwort: "Polavaram". Danke!

Elvira Greiner
Erste Vorsitzende
Tel. 0228/ 926 525 33
elvira.greiner@andheri-hilfe.org