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Andheri-Hilfe Bonn

Ureinwohner haben ein Recht zu Überleben

Das Grenzgebiet der drei indischen Bundesstaaten Kerala, Tamil Nadu und Karnataka war ursprünglich nur von Ureinwohnern besiedelt. Die britischen Kolonialherren entdeckten den Reichtum an Gewürzen und mit Hilfe von ohnedies schon wohlhabenden Kastenhindus beuteten sie das Land aus. Die Fruchtbarkeit des Bodens sprach sich herum und lockte immer neue Siedler an, die z.T. große Kaffee- und Teeplantagen anbauten und dabei auch vor massiven Waldrodungen nicht zurückschreckten.

Für die Stammesangehörigen, die "Tribals" oder "Adivasi", wurde das Überleben immer schwieriger. Selbst im Tagelohn auf den Feldern der Reichen fanden sie immer seltener Arbeit, denn Tagelöhner aus Tamil Nadu und Karnataka waren bereit, zu noch geringeren Löhnen zu arbeiten. Sie versuchten, auf ihren kleinen Feldern statt Grundnahrungsmitteln Exportware anzubauen, die aber viele Düngemittel und Pestizide brauchte. Fiel dann eine Ernte aus, z.B. wegen schlechter klimatischer Bedingungen oder waren die Böden durch zu viel Chemie ausgelaugt, blieb diesen Familien kaum genug zum Überleben.

Der letzte Ausweg war die Verschuldung beim Geldverleiher (z.T. zu einem Zinssatz von mehr als 100 %!). Er aber brachte häufig lebenslange Verschuldung und führte nicht selten die Kinder in "Schuldknechtschaft". Und wie immer leiden die Frauen am meisten. Obwohl sie die größte Sorge für die Familie tragen, haben sie doch kaum ein Mitspracherecht.

Hier hat unser Partner "VOICE" (Voluntary Organisation for Innovative and Collective Education) angesetzt. Diese Frauen sollen die Möglichkeit haben, sich in Gruppen mit ihren Leidensgenossinnen zu treffen. In den vergangenen zwei Jahren konnten bereits 50 solcher Gruppen mit 704 Mitgliedern aufgebaut werden. Sie sparen auch kleinste Beträge, so schwer dies bei ihrem Einkommen sein mag. Aber so können sie sich in Notlagen untereinander Kleinkredite gewähren und werden unabhängig von den ausbeuterischen Geldverleihern. Gemeinsam setzen sie sich für Verbesserungen in ihren Dörfern ein: für die Reinigung von Brunnen, die Reparatur von Straßen usw. Gegenseitige Hilfe, z.B. in Krankheitsfällen, ist selbstverständlich. Kleine Küchengärten und die Milch der neu angeschafften Ziegen verbessern die Ernährung. Vieles konnte bereits in nur zwei Jahren erreicht werden.

 

So haben wir gern unsere Unterstützung für weitere drei Jahre zugesagt. Zum einen geht es um die Stärkung der bestehenden Frauengruppen. Viele andere Frauen haben bereits ihr Interesse angemeldet. So sind weitere 25 Gruppen mit 150 Mitgliedern geplant. Auch können die Frauen an handwerklichen Kursen teilnehmen: Schneiderei, Herstellung von Seife, Konservierung von Lebensmitteln - dies sind Kenntnisse, die ihnen helfen, einen kleinen Nebenverdienst zu erzielen. Zudem wollen sich die Frauen untereinander Kredite gewähren für den Aufbau solcher kleinen Einkommensprojekte. Aber ihre Sparleistungen reichen allein nicht aus: So haben wir gern einen Zuschuss zugesagt, der aber immer wieder von den Frauen an die Gruppe zurückgezahlt wird und so wieder weiteren Frauen zur Verfügung steht. Auch sollen einige der Frauen so geschult werden, dass sie mehr und mehr Leitungsfunktionen übernehmen können: Schließlich soll das Projekt in drei Jahren ganz in die Hände der Frauen gelegt werden. So ist auch vorgesehen, dass sich alle 75 Gruppen untereinander vernetzen: Gemeinsam können sie auch gegenüber der Regierung ihre Rechte einfordern. Diese Frauen haben erkannt: Sie können ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen, sie können auch als "Tribals" überleben und sie können etwas bewegen!

 

Ihre Ansprechpartnerin

Heike Kluve

Projektreferentin Südindien

Tel: 0228/ 926 525 32
 heike.kluve@no-spam.andheri-hilfe.org