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Andheri-Hilfe Bonn

Erfolgreich abgeschlossenes Projekt: Nahrungssicherheit durch integrierte Entwicklung

Projekt-Steckbrief

Projekttitel

Erhöhung der Nahrungssicherheit durch landwirtschaftliche und Einkommen schaffende Maßnahmen

Projekt Nr: I-009-37/05

Kosten: 87.200 Euro für drei Jahre.

Hauptaktivitäten

  • Stärkung der Selbsthilfekräfte durch Training und Organisation der Zielgruppe.
  • Reduzierung des Analphabetismus durch Erwachsenenbildung.
  • Rückgabe von unrechtmäßig besetztem Land durch Rechtsbeihilfe, Aufklärung und Kampagnen.
  • Ermöglichung eines Zugangs zu Krediten durch Bildung von Spargruppen und Verhandlungen mit der Bank.
  • Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion durch Management natürlicher Ressourcen und Training in angepasster, ökologischer Landwirtschaft.
  • Einkommen schaffende Maßnahmen (Ziegen-, Geflügel-, Pilz-, Gemüsezucht, Vermarktung von Forstprodukten sowie Kleinwarenläden) durch einen Kreditfonds.

 

Die Zielgruppe gehört den Ureinwohnern Indiens, den so genannten Adivasi, an.

Sie leben traditionell von Forstprodukten, die sie sammeln und verkaufen. Sie verfügen nur über sehr eingeschränkte Einkommensquellen. Ihr Einkommen liegt mit weniger als 480 Euro im Jahr unterhalb der Armutsgrenze. 80% der Adivasi-Bevölkerung ist mangelernährt und vereinzelt kam es sogar zu Todesfällen aufgrund von Unterernährung.

Bei Geldmangel müssen sie zum örtlichen Geldverleiher gehen. Dieser nimmt so horrende Zinsen, dass sich die Adivasis tief verschulden. Besitzen sie ein Stückchen Land, so verlieren sie es oft an den Geldverleiher und müssen fortan auf ihrem eigenen Land als Pächter oder Schuldknecht arbeiten.

Viele Adivasis müssen in der Trockenzeit, wenn keine Landwirtschaft möglich ist, in die Großstädte gehen, wo sie oft unter menschenunwürdigen Bedingungen in Ziegeleien oder Steinbrüchen arbeiten. Die ganzen Familien migrieren zu dieser Zeit und nur die Alten bleiben zurück. Kinder können deshalb die Dorfschule nicht besuchen.

Die fehlende Schulbildung hat zur Folge, dass sie nicht mit den metrischen Messsystemen vertraut sind und weder lesen, schreiben und rechnen können. Beim Verkauf ihrer Produkte werden sie daher übervorteilt. Zudem fehlen Lagermöglichkeiten, so dass sie die Forstprodukte immer zum Zeitpunkt der Ernte verkaufen müssen, wenn der Preis am niedrigsten ist.

Das Projekt ist deshalb so angelegt, das eine umfassende Zahl von Maßnahmen möglichst viele Probleme anspricht und so die gesamte Situation verbessert wird.

Zunächst steht die Organisation der Zielgruppe an: In allen 102 Dörfern werden sowohl Männer- als auch Frauengruppen gebildet. Diese sollen dazu befähigt werden, ihre Probleme zu analysieren und Lösungsmöglichkeiten zu finden (wie zum Beispiel das fehlende Interesse der Dorflehrer, regelmäßig Unterricht anzubieten, fehlende Infrastruktur, unrechtmäßige Landbesetzung, Verheiratung Minderjähriger etc). Diese Gruppen sollen das Selbsthilfepotential der gesamten Zielgruppe mobilisieren und sind zudem ein Garant für die Nachhaltigkeit der Maßnahmen, da sie nach Abzug des Projektes fähig sein werden, die Probleme allein anzugehen.

Außerdem ist ein so genanntes Projektberatungskomittee demokratisch gewählt worden, das für die korrekte, planmäßige und transparente Durchführung der Maßnahmen verantwortlich ist. Das Komitee besteht aus gleicher Anzahl Männer und Frauen.

Bildung von Spargruppen

Viele Banken bieten mittlerweile Kleinkredite für ärmere Bevölkerungsschichten und Spargruppen an. Das Problem ist, dass die Adivasis gar nicht darüber informiert sind und zudem die Schwellenangst, zu einer Bank zu gehen, sehr hoch ist.

Um in den Genuss der speziellen Kreditprogramme für Spargruppen zu kommen, wurden diese zunächst gebildet. Die Mitglieder der Spargruppen entscheiden in einem demokratischen Prozess, wer sich wie viel Geld für welchen Zweck von der Spargruppe leihen kann (individuelle Kredite und Gruppenkredite sind möglich).

Die Spargruppen richten sich zunächst ausschließlich an Frauen, da sie diejenigen sind, die regelmäßig Geld für das Familieneinkommen zurück legen, während die Männer der Zielgruppe ihr Einkommen eher für ihren persönlichen Bedarf (Alkohol, Hahnenkämpfe etc.) ausgeben. Es ist daher auch geplant, die Männer vom Sinn der Sparaktivitäten zu überzeugen.

Einkommen schaffende Maßnahmen und Kreditfonds

Um die Basis für das Einkommen zu erweitern, erhalten die Adivasis Training in Einkommen schaffenden Maßnahmen wie: Ziegenhaltung, Geflügelhaltung, Kleinhandel, Gemüseanbau und Pilzzucht, Herstellung von Forstprodukten.

Die finanzielle Unterstützung dazu wird aus einem eigens angelegten Kreditfonds kommen. Nach dem erste Gewinne gemacht wurden, muss der Gegenwert in diesen revolvierenden Kreditfonds zurück gezahlt werden. Diese Gelder werden dann an weitere Familien als Kredite vergeben.

Weiterhin werden Bewässerungskanäle und Regenwassersammelbecken angelegt. Insgesamt kann so Land von 766 Familien bewässert werden (336 ha). Reis- und Gemüseanbau wird so ganzjährig ermöglicht und die Adivasis müssen nicht mehr in die Slums der Großstädte abwandern.

Damit diese Bewässerungsstrukturen langfristig erhalten werden können, wird ein Fonds zur Instandhaltung eingerichtet, in den alle Wassernutzer einzahlen müssen.

Rückgabe von unrechtmäßig besetztem Land

Viele Familien haben ihr Land verloren, weil es von reichen Geschäftsleuten illegal okkupiert wurde, da die Adivasis oft keine Landtitel besitzen. Ihnen steht das Land laut Gesetz allerdings rechtmäßig zu, da sie seit Jahrhunderten dort leben.

Ein Anwalt ist beauftragt, der die Adivasis berät und ihre Klage vertritt. Es liegen dem Gericht bereits 800 Fälle vor!

In Kursen zur Erwachsenenbildung lernen die Adivasis rechnen und schreiben. Innerhalb dieser Kurse wird auch Gesundheitsvorsorge vermittelt und über Regierungsprogramme aufgeklärt. Die Frauen singen hier auch gemeinsam so genannte "awareness songs", die der Stärkung des Selbstbewusstseins dienen.

Ihre Ansprechpartnerin

Dr. Anke Hünninghaus

Projektreferentin Nordindien, Südindien 

Tel: 0228/ 926 525 34
 anke.huenninghaus@
andheri-hilfe.org