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Andheri-Hilfe Bonn

Besuch im HIV-AIDS-Projekt in Tamil Nadu / Südindien

Die Begegnungen meines Besuchs im Januar 2011 haben mich tief berührt. Gern will ich Ihnen ein wenig davon berichten:

Wunderschön schaut die kleine Mahalakshmi aus – und erst recht, wenn sie voller Anmut tanzt!

 

Auf den ersten Blick scheint es ein ganz normaler Talentwettbewerb von Kindern und Jugendlichen zu sein, den ich hier am 26. Januar, dem „Tag der Republik“, erlebe. Es gibt verschiedene Kategorien:

-         Beste Ansprache

-         Bester Tanz

-         Beste Theateraufführung

-         Bester Gesang

-         Bestes Gemälde 

Wie gesagt, auf den ersten Blick ein ganz normaler Wettbewerb, bei dem die Mädchen und Jungen mit Feuereifer dabei sind. Erst beim genauen Hinsehen und Hinhören wird eine Gemeinsamkeit deutlich: bei allen Darstellungen geht es um das Thema HIV/AIDS.

 

Und all die Mädchen und Jungen hier sind in der ein oder anderen Weise von dieser Krankheit betroffen: entweder sind ihre Eltern HIV-positiv bzw. an AIDS erkrankt oder bereits gestorben, oder sie tragen selbst das Virus in sich. Wie z.B. die kleine Mahalakshmi…. 

Am Nachmittag besuche ich sie zu Hause. Gleich hinter einer Schule lebt die Familie in einer kleinen Hütte. Das Land gehört ihnen natürlich nicht. So bleibt tagtäglich die Sorge, sie könnten von hier vertrieben werden. Es ist tatsächlich diese Angst, die das Leben der 35-jährigen Nagarathnam prägt. Eigentlich verlief ihr Leben ganz normal. Sie wuchs in einer armen Familie auf, wurde verheiratet, lebte dann mit ihrem Mann bei dessen Eltern. 2002 war es, das wird sie nie vergessen, als es ihrem Mann gesundheitlich immer schlechter ging. Schließlich ging er ins Krankenhaus, ließ sich untersuchen. Das Ergebnis veränderte das Leben der Familie für immer: HIV-positiv! Dazu in einem Stadium, in welchem medikamentöse Behandlung kaum mehr helfen konnte. 
 

Auf dringendes Anraten der Krankenhausmitarbeiter ließen auch Nagarathnam und ihr kleiner Sohn Alagar Samy sich testen. Gott sei Dank: bei dem Jungen fiel der Test negativ aus. Aber Nagarathnam war HIV-positiv – und zu diesem Zeitpunkt bereits wieder schwanger! Sie wurde ausführlich beraten: Ihr Baby müsse sich nicht infizieren. Wichtig sei entsprechende medizinische Vorsorge rund um den Geburtstermin. Daher sei es von größter Wichtigkeit, dass sie nach Chennai in die Klinik gehe. Nur dort gäbe es entsprechende Möglichkeiten. Ihre Schwiegereltern waren außer sich: Ohnedies könne es nur sie gewesen sein, die dieses Unglück über die Familie gebracht habe, doch niemals ihr geliebter Sohn! Und jetzt auch noch das! Wer solle das denn bezahlen? Nagarathnam ging nicht nach Chennai, brachte ihr kleines Mädchen in Madurai zur Welt (auch das noch, ein Mädchen!!!). Ohne spezielle medizinische Vorsorge gab eine keine Chance: Die Kleine wurde bei der Geburt von der Mutter mit dem HI-Virus infiziert. Sie versuchte, die Anfeindungen der Schwiegereltern zu überhören; pflegte ihren Mann bis zu seinem Tod 2004. Doch danach war es aus: Die Eltern ihres Mannes warfen sie samt der beiden kleinen Kinder aus dem Haus. Nagarathnam war völlig am Ende, wusste keinen Ausweg, als zu ihrer Mutter zurückzukehren, die in eben jener kleinen Hütte neben der Schule wohnte. Die Mutter nahm sie auf – Gott sei Dank – doch es war trotzdem kein schönes Leben für Nagarathnam: sozial geächtet, voller Sorge um das tägliche Überleben und die Zukunft ihrer Kinder!  

Eine Veränderung gab es erst, als die Andheri-Hilfe Partner in ihrem Slum die Arbeit aufnahmen: Sie organisierten Frauengruppen und legten dabei besonderen Wert darauf, HIV-positive Frauen einzubeziehen. Das war überhaupt das erste Mal seit der Erkrankung Ihres Mannes, das Nagarathnam die Chance hatte, mit anderen Frauen – eben auch solchen, die nicht von HIV betroffen sind – zusammen zu sitzen. Hier in ihrer Gruppe werden viele Probleme diskutiert und Lösungen gesucht. Es geht um Bildung der Kinder, um Vertreibung von dem angestammten Platz im Slum, um kleine Einkommensprojekte und um Gesundheitsfragen – auch um HIV/AIDS. Allein das Wissen, nicht allein zu sein, die Chance zu haben, über die eigenen Sorgen und Ängste zu sprechen, allein das hilft schon. Zudem motivierte unser Partner alle betroffenen Frauen, die Dienstleistungen der staatlichen Gesundheitszentren in Anspruch zu nehmen: regelmäßige Untersuchungen und – wenn notwendig – die ART- (Anti-retroviral-Theraphie) Medikamente. Das HI-Virus hat sich sowohl bei Nagarathnam als auch der inzwischen 8-jährigen Mahalakshmi so weit ausgebreitet, dass sie beide dringend regelmäßig diese Medikamente nehmen müssen. Der heute 15-jährige Alagar Samy ist hier eine große Stütze: „Mutter, hast Du Deine Tablette genommen?“ – seine Standardfrage, die er nie vergisst, denn er weiß, es darf unter keinen Umständen eine Lücke in der Behandlung geben, sonst kann es zu Resistenzen kommen und dann gibt es keine weitere Behandlungsmöglichkeit. Doch so – auch das wissen er uns seine Mutter – können Menschen mit dem HI-Virus jahre- oft jahrzehntelang ein fast normales Leben führen. Gute Ernährung ist freilich wichtig. Hier hilft der kleine Gemüsegarten, den Nagarathnam mit Hilfe unserer Partners neben der Hütte angelegt hat. Ein wichtiger Schritt war für sie auch der Kleinkredit, den sie von ihrer Frauengruppe erhalten hat: So konnte sie Rohmaterialien und ein paar einfache Werkzeuge kaufen, um aus Bambus Körbe zu flechten. Dafür findet sie lokal schnell Abnehmer. Vieles hat sich zum Guten verändert.  

Doch es bleibt ihre große Sorge um die beiden Kinder. Wird sie die Kraft und die Zeit haben, sie zu begleiten, bis sie erwachsen sind? Alagar Samy wächst schon heute in die Rolle des Familienoberhauptes hinein, trägt schon viel Verantwortung auf seinen Schultern. Als ich der Mutter einen geflochtenen Korb abkaufe, bittet sie mich, ihrem Jungen das Geld zu geben. Er verwaltet das kleine Familienbudget. Er ist jetzt in der 10. Klasse, möchte danach eine Ausbildung zum Computer-Fachmann machen. Damit könnte er später die Familie unterhalten. Die kleine Mahalakshmi dagegen macht einen so unbekümmerten Eindruck. Sie liebt das Singen und Tanzen, geht zur Schule, spielt mit ihren Freundinnen. Ich glaube, sie ahnt gar nicht, dass dies alles nicht selbstverständlich ist. 

Ich bin dankbar, dass wir mit der Unterstützung unserer Andheri-Hilfe Freunde hier so konkret helfen können. So viele Kinder, Jugendliche, Frauen habe ich hier in diesen Tagen in Südindien erlebt, die mit einem Tod bringenden Virus infiziert wurden. Doch wichtig ist, dass sie nicht schon vorher „sterben“, weil sie von Familie und Gesellschaft ausgegrenzt werden. Hierzu können wir einen wichtigen Beitrag leisten!

Ihre Elvira Greiner 

 

Wir freuen uns sehr über jede Spende für dieses HIV / AIDS -  Projekt in Indien.

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Ihre Ansprechpartnerin

Elvira Greiner
 
Erste Vorsitzende


Tel. 0228/ 926 525 33
 elvira.greiner@no-spam.andheri-hilfe.org