ANDHERI HILFE

Schulbildung und ein Ende der Kinderarbeit in den Glimmer-Minen (oder: Mica-Minen)
Kinder, Frauen und Männer schuften in den Minen

Was haben Lidschatten, Lippenstift und schimmernder Autolack gemeinsam? In diesen Konsumartikel ist Glimmer (auf englisch „Mica“), enthalten. Ein Mineral, von dessen Abbau und Verkauf Menschen im ostindischen Bundesstaat Jharkhand abhängig sind und ihr Überleben gesichert wird. Die großen Vorkommen werden hier seit Jahrzehnten mit schweren Maschinen abgetragen. Ist der Großteil des Minerals abgebaut und die großen Maschinen wieder fort, kommen die Dorfbewohner_innen mit Hammer und Meißel und schlagen mühsam die Reste aus dem Fels. Männer, Frauen und Kinder schuften Tag ein, Tag aus in den gefährlichen Minen. Sie atmen dabei permanent den Staub ein, der schwere Lungenkrankheiten verursachen kann. Nicht selten stürzen die ungesicherten Minen ein und begraben Menschen unter sich. Die Entlohnung ist sehr gering, doch auf Grund des Mangels an Alternativen wird die Verrichtung dieser schweren Arbeit von Generation zu Generation weitergegeben.

Indien: Kinder sitzen auf dem Boden einer Schule
Endlich keine Kinderarbeit mehr: Diese Kinder können endlich zur Schule gehen. Das war nicht immer möglich, denn viele Kinder mussten in den Glimmer-Minen schuften, um Geld für die Familie zu verdienen.

1.574 €

1.574 € kostet der Bau einer einfachen Schule (incl. Baumaterialien wie Holz und Lehm).

 

 

91 €

Eine 91 € - Spende ist ausreichend, um ein Fahrrad zu finanzieren. Damit können die Schülerinnen und Schüler zur Highschool fahren.

 

 

613 €

613 € sind für die Durchführung von zwei Gesundheitscamps für ein ganzes Dorf notwendig.

Schulen wurden in Eigenregie gebaut

Unsere Partnerorganisation Seva Sadan hat es sich zum Ziel gemacht, diesen Kreislauf zu durchbrechen und den Menschen im entlegenen und infrastrukturell schwachen Glimmerminen-Gebiet des Koderma-Distrikts neue Perspektiven und die Chance für ein Leben in Würde zu geben. Die Kinder und Jugendlichen in der Region sollen selbst über ihre Zukunft bestimmen können – dabei ist Bildung der Schlüssel. Seit dem Jahr 2017 fördern wir die wertvolle Arbeit vor Ort. Im ersten Schritt konnten wir die Errichtung von fünf einfachen Vorschulen unterstützen: Wir finanzierten Holzstämme und Lehm, die Dorfbewohner bauten die Schulen mit ihren eigenen Händen. Erstmals konnten Dutzende Kinder im Alter von 3 bis 13 Jahren aus den Projektdörfern die Schule besuchen, statt in den Minen zu arbeiten.

Über 1000 Kinder erhalten bereits Schulbildung

Um noch mehr Kindern diese Chance zu bieten wurde in den vergangenen Jahren der Bau von weiteren dieser einfachen Schulen möglich gemacht. Fast 1.000 Kinder konnten bereits auf ihrem Weg von der Kinderarbeit zur Bildung unterstützt werden. Jedes Jahr hat unser Partner die einfachen Studienzentren erweitert und derzeit gibt es 14 Grundschulen, eine Kindertagesstätte für die kleinen Kinder und eine Oberschulklasse.   

Sauberes Trinkwasser und der Anbau von Obst und Gemüse

Um die Lebensbedingungen aller Menschen in den Dörfern zu verbessern wurden weitere wichtige Maßnahmen ergriffen. Zum Beispiel wurde mit dem Anbau von Obst und Gemüse begonnen, um die Ernährungssituation zu aufzubessern. Dazu erhielt jede Familie die Möglichkeit, einen Gemüsegarten anzulegen und sie erhielten Saatgut und entsprechendes Wissen zum Anbau wurde vermittelt. Auch diese Projektkomponente ist für die Kinder wieder von besonderer Relevanz da sie nur dann gut wachsen und lernen können, wenn sie satt sind und mit ausreichend Nährstoffen etc. versorgt sind. Dort, wo die Wasserversorgung besonders prekär war, wurde unter anderem die Errichtung von Trinkwasserbrunnen finanziert.

Indien: alter Mann arbeitet in Mine
Auch heute noch schuften die Menschen in den alten, ausgedienten Glimmer-Minen (Mica-Minen). Es ist meistens der einzige Verdienst der Familien.

Aufklärung ist wichtig

Um den Menschen Alternativen aufweisen zu können müssen sie entsprechend informiert und aufgeklärt werden: die Organisation verschiedener Programme, Workshops, Schulungen und der alltägliche enge Kontakt zu den Menschen durch das Projektteam vor Ort erwiesen sich dabei als sehr wirksam. Themen wie Frauen- und Kinderrechte wird in den Dorfgemeinschaften nun viel mehr Aufmerksamkeit gewidmet und die Organisation von Kampagnen gegen Kinderheirat und Kinderarbeit mit Unterstützung der örtlichen Polizei sind ermutigende Entwicklungen.

Spürbarer Wandel mit mehr Selbstwertgefühl

Nach nur wenigen Jahren Projektarbeit ist ein spürbarer Wandel in der Lebensweise der Menschen bereits sichtbar und sie haben etwas Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen und Hoffnung im Leben gewonnen. Dies bekamen auch die Menschen aus den Nachbardörfern mit und zusammen mit ihren Dorfvorstehern baten sie unsere Partnerorganisation, auch sie dabei zu unterstützen, einen Ausweg aus ihrer prekären Armutssituation trotz der schweren Arbeit in den Glimmerminen, dem Analphabetismus und der Perspektivlosigkeit zu finden. Das ungebremste Engagement des Projektteams und ihre guten vorangegangenen Erfahrungen ermöglichen es, dass das Projektteam seit dem Sommer 2021 in insgesamt 22 Dörfern arbeiten kann. Das Hauptaugenmerk liegt nach wie vor auf der Schulbildung und der Stärkung der jüngeren Generation. Durch die Errichtung weiterer Bildungszentren auf verschiedenen Ebenen können noch mehr Kinder unterrichtet werden. Die älteren sollen dazu befähigt werden, weiterführende Schulen zu besuchen um dann selbstständig entscheiden zu können, ob sie ein paar Jahre später eine Berufsausbildung machen oder gar die Universität für ein Studium besuchen wollen. Noch vor wenigen Jahren waren solche Ideen undenkbar, jetzt sind es reale Zukunftsversionen.

Indien: Schülerinnen und Schüler mit ihren Fahrrädern
Jharkhand/Indien: Mit dem neuen Fahrrad zur Highschool. Ohne dieses einfache und umweltfreundliche Transportmittel kämen die Schülerinnen und Schüler nicht zur Schule.

Mit dem neuen Fahrrad zur Highschool

Um den älteren Schüler_innen den Besuch der weit entfernten Highschool zu ermöglichen, werden ihnen Fahrräder zu Verfügung gestellt – denn in der entlegenen Projektregion gibt es weder Busse noch Bahnen und meist noch nicht einmal geteerte Straßen. Ein erster wertvoller Schritt für mehr Mobilität und Selbstbestimmtheit.

Gesundheitscamps klären auf

Doch für die Menschen in den neu ausgewählten Projektdörfern spielen selbstverständlich auch Themen wie Nahrungssicherheit, eine sichere Trinkwasserversorgung, das Ergreifen von alternativen Einkommensmöglichkeiten (zum Beispiel durch die Stärkung der Landwirtschaft) eine wichtige Rolle und entsprechende Maßnahmen werden gefördert. Und spätestens seit Beginn der Corona-Pandemie ist das Thema Gesundheit einmal mehr in den Vordergrund gerückt: hier leistet unser Partner wertvolle Arbeit indem regelmäßig Gesundheitscamps mit Fachpersonal in den Dörfern durchgeführt werden, auf welchen die Menschen aufgeklärt, beraten, untersucht, in einfachen Fällen behandelt werden können usw.

Es ist noch viel zu tun doch es lohnt sich – eine Investition in die junge Generation ist eine sinnvolle Investition in die Zukunft – und wir freuen uns über Ihren Beitrag dazu!

Ihre Ansprechpartnerin

Janine Langer
Referat Indien

Kontakt

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Telefon: 0228 / 926 525 34

 * Zum Schutz der Persönlichkeit sind Name und Fotos geändert.