Andheri Hilfe

Mit Biogas und Toiletten Gesundheit fördern

Toiletten und Biogas helfen Mensch und Umwelt

Eine Familie benötigt im Schnitt 6 kg Feuerholz pro Tag, so werden in Indien täglich tausende Kubikmeter Holz verfeuert. Fernab der städtischen Zivilisation haben die meisten Haushalte keinen Zugang zum öffentlichen Stromnetz. Die Menschen in der Projektregion kochen mit Holz, Ernterückständen und Kuhdung. Weil Holz bereits Mangelware ist - nur noch 14,16 % der Fläche sind mit Wald bedeckt - werden täglich viele Stunden Arbeit für die Beschaffung eingesetzt.

Kochen mit Holz war wegen des Rauchs sehr gesundheitsschädlich. Jetzt wird mit Biogas gekocht und nebenbei das Klima geschützt.

Projektpartner:

SAS / Jana Jagaran

Finanzbedarf:

Die Andheri-Hilfe unterstützt das Projekt bis 12/19 mit 141.172 Euro. Das Projekt wird zudem vom BMZ mitfinanziert.

570 €

Gesamtkosten für die Biogasanlage mit Toilettenhäuschen (incl. Kosten für Arbeitskraft und aller Materialien wie Zement und Rohre)

 

 

90 €

90 Euro kosten die monatlichen Fortbildungen für 20 Multiplikatoren (Projektmitarbeiter, Helfer, Maurer und ausgewählte Begünstigte) für Aufklärungs- und Schulungsinhalte. Diese werden in Schulungen an die Haushalte, die Biogasanlagen erhalten, weitergegeben.

Krankmachender Rauch

Jährlich sterben weltweit 4 Mio. Menschen weltweit an den Folgen der Innenraumluftverschmutzung durch ineffiziente Verbrennung von Biomasse auf offenen Kochstellen. Vor allem Frauen und Kinder sind in der Projektregion bis zu 7 Stunden täglich beim Kochen dem beißenden Rauch ausgesetzt, der beim Verbrennen von Holz, Ernterückständen und getrocknetem Tierdung entsteht. Das Krankheitsrisiko dieser Menschen steigt rapide durch die hohen Kohlenmonoxid- und Feinstaubbelastungrauen.

Ein weiteres Problem: Fehlende Toiletten

Von Toiletten können die armen Familien nur träumen. Nur rund 25 % der Bevölkerung hat Zugang zu Toiletten. Es ist relativ einfach Toiletten zu bauen, sie werden aber nicht genutzt, da die Leerung der Gruben, d.h. der Kontakt mit Fäkalien, im Kastensystem Aufgabe der Dalits ("Unberührbaren") und damit sozial stigmatisiert ist. Aus Mangel an Toiletten bzw. durch Nichtnutzung sind die Dörfer verschmutzt und mit Krankheitserregern kontaminiert. Neben der mangelnden Hygiene leiden besonders die Frauen darunter, dass sie keinen Zugang zu Toiletten haben. Sie verrichten ihre Notdurft aus Scham und angst vor allem nachts auf den Zugangsstraßen ins Dorf oder in den umliegenden Feldern. Dabei setzen sie sich Übergriffen durch Männer aus. 

 

Eine Lösung für beide Probleme

Das Team unserer Partner-Organisation SAS hat eine innovative Lösung für die vielschichtigen Probleme der armen Familien gefunden. Die Grundüberlegung erscheint simpel: die meisten Bauerfamilien halten Kühe. Mit 153 Tieren pro km² hat der Distrikt eine sehr hohe Tierdichte. 30 % der Tiere gehören armen Familien, die unter der Armutsgrenze leben. Warum nicht den Dung der Tiere zur Gewinnung von Energie nutzen? In einer familiär genutzten Biogasanlage entsteht Energie in Form von Biogas durch die Vergärung von Kuhdung, menschlichen Exkrementen und anderem organischen Abfall.

 

Honnappas Familie kocht jetzt mit Biogas

Honnappa gehört als Adivasi (so bezeichnet man die indigenen Bevölkerungsgruppen Indiens) zu den ärmsten Bewohnern des Dorfes Santibastwad. Er lebt mit seiner Frau, den fünf Kindern und seinen Eltern in einem kleinen Lehmhaus. Sie halten ein Paar Zugochsen, um ihr kleines Stück Land zu bearbeiten. Seit drei Jahren sind sie dank unseres Projektes zufriedene Besitzer einer Biogasanlage mit angeschlossener Toilette.
Zweimal täglich wird die Biogasanlage mit dem Dung der Ochsen und Küchenabfällen gespeist, zusätzlich werden die Exkremente aus der Toilette zugeführt. Mit dem entstehenden Gas kann die Familie ihren Energiebedarf zum Kochen decken. Honnappas Frau erzählt: "Früher habe ich jeden Morgen mindestens drei Stunden mit Feuer machen und Kochen verbracht, jetzt bin ich in anderthalb Stunden fertig und kann früher arbeiten gehen. Da mit dem Biogas kaum Ruß anfällt, verrußen die Töpfe nicht mehr so stark wie früher und wir atmen den giftigen Rauch nicht mehr ein. Früher sind wir davon krank geworden! Außerdem müssen wir nicht mehr mühsam Feuerholz heranschleppen. Während meiner ersten Schwangerschaften hatten wir noch keine Toilette. In dieser Zeit habe ich besonders darunter gelitten, mich nur im Schutze der Dunkelheit auf den umliegenden Feldern erleichtern zu können, immer angsterfüllt vor streunenden Hunden, Schlangen und auch vor Männern, die uns Frauen auflauern und belästigen. Meine letzte Schwangerschaft war dank unserer eigenen Toilette so viel leichter für mich. Die Biogasanlage ist ein wahrer Segen für meine Familie. Außerdem schützen wir jetzt auch das Klima!"

Wir haben keinen Husten mehr

Auch ihre zwölfjährige Tochter Kirthi ist glücklich: "Jetzt muss ich nur ein Streichholz anzünden, damit wir kochen können. Früher saß ich stundenlang neben dem qualmenden Feuer, um zu pusten, damit es ja nicht ausgeht. Ich hatte ständig Husten von dem vielen Rauch. Jetzt habe ich viel mehr Zeit, um meine Hausaufgaben zu machen. Meine Schulleistungen sind viel besser geworden. Eine eigene Toilette zu haben ist auch wunderbar."

Ihre Ansprechpartnerin

Barbara von Hillebrandt-Jung
Referat Indien

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