ANDHERI HILFE

Kultur und Tradition der indigenen Bevölkerung retten und bewahren
Indien: Distrikt Gumla, Jharkhand

Der Gumla-Distrikt im Südwesten Jharkhands wird hauptsächlich von indigenen Gruppen (Adivasi), wie zum Beispiel dem Stamm der Kurux, bewohnt. Die Region ist daher reich an Kultur und Traditionen. Doch nach und nach gehen traditionelle Strukturen und Wissen verloren. Der jüngeren Generation fällt es zunehmend schwer, Tradition und Moderne in Einklang zu bringen. Die Folge: unter anderem  gehen ihre Sprache, Traditionen und Ernährungsgewohnheiten verloren. Gemeinsam mit unserem Partner Samaj Pragati Kendra (SPK) setzen wir uns für den Schutz der traditionellen Strukturen der indigenen Bevölkerung ein und stärken ihre Lebensgrundlage.

Adivasi in Indien werden oft diskriminiert. Tradition und Kultur gehen vielfach verloren
Ein kleines Museum mit traditionellen Bildern und Ausstellungsstücken soll die Menschen an die eigene Kultur erinnern. Besonders die Jugendlichen wissen oftmals nicht mehr viel darüber.

Projektpartner

Samaj Pragati Kendra (SPK), Jharkhand (Indien)

70 €

Kosten für die Anlage von Küchengärten für 2 Familien. In den Kosten sind die Setzlinge für die Pflanzen und die Schulungskosten durch qualifizierte Trainer enthalten.

Abholzungen und Raubbau gefährden Adivasi

Der Bundesstaat Jharkhand und auch der Distrikt Gumla sind reich an natürlichen Ressourcen wie zum Beispiel Mineralien. Einst waren weite Teile der Region bewaldet, doch durch den industriellen Abbau der Mineralien werden immer mehr Wälder abgeholzt. Die Leittragenden sind die Adivasi, die seit jeher unter Diskriminierung zu leiden haben. Für sie stellt der Wald neben der Landwirtschaft die Lebensgrundlage dar, denn sie leben im Wald oder beziehen aus ihm ihre Nahrung. Für etwa 70 Prozent der Adivasi im Gumla-Distrikt ist die Landwirtschaft die Haupteinnahmequelle. Durch den Klimawandel und durch fehlendes Wissen in Bezug auf die richtigen Anbaumethoden ist diese Quelle jedoch nicht mehr sicher. Da die landwirtschaftlichen Erträge allein nicht ausreichend sind, sind sie von den Produkten aus dem Wald abhängig.

Viele junge Adivasi migrieren in die Städte

Durch den Prozess der Industrialisierung und Modernisierung verlieren die Bewohner nicht nur ihren Lebensraum, sondern auch ihre Identität. Der Distrikt Gumla hat nicht nur einen Reichtum an natürlichen Ressourcen, sondern auch an Kultur und Tradition. Vor allem die jüngere Generation hat große Schwierigkeiten damit ihre Kultur und die modernen Einflüsse mit einander zu vereinbaren. Immer mehr Dorfbewohner migrieren auf der Suche nach Arbeit außerhalb der Landwirtschaft in die größeren Städte. Nicht selten werden sie dort verschleppt, misshandelt und ausgebeutet. Die Abwanderung aus den Dörfern hat drastische Folgen: die Bevölkerungszahlen in den Dörfern sinken rapide. Mit ihnen schwinden auch traditionelle Strukturen und Einflüsse.

Alkoholismus und Perspektivlosigkeit bei männlichen Jugendlichen

Auch die Situation der indigenen Jugendlichen im Gumla-Distrikt ist alarmierend: fast die Hälfte der männlichen Jugendlichen strebt nach dem Schulabschluss keinen weiteren Bildungsweg an. Da es zu wenige Bildungseinrichtungen gibt oder diese viel zu weit entfernt sind, sind viele Jugendliche nach der Schule ohne jegliche Perspektive und arbeitslos. Etwa 60 Prozent der männlichen Jugendlichen sind alkoholabhängig.
Unser Partner setzt sich für die Stärkung der Bevölkerung im Gumla-Distrikt ein, indem er gemeinsam mit den Menschen einerseits Lösungen findet, die vorhandenen Ressourcen effektiv und nachhaltig zu nutzen, andererseits neue Einkommen schaffende Maßnahmen zu entwickeln. Dies und auch konkrete Maßnahmen zur Heranführung an die eigene Kultur, wie der Aufbau eines Adivasi-Museums, Sprachunterricht und die Vermittlung der traditionellen Kunst, tragen dazu bei, dass die Bevölkerung und die Traditionen nachhaltig gestärkt werden.

Eigenes Einkommen soll langfristig helfen

Um den Lebensunterhalt der Menschen zu stärken, werden gemeinsam mit den Dorfbewohnern verschiedene Einkommen schaffende Maßnahmen entwickelt: weibliche Jugendliche werden im Nähen geschult und verdienen sich so ein zusätzliches Einkommen. Frauen eröffnen sogar eigene Läden, in denen sie die Kleidung verkaufen können. Einen doppelten Nutzen hat die Anlage von Küchengärten für die Familien: sie nutzen einen Teil des angebauten Gemüses zum Eigenverzehr, den Überschuss können sie verkaufen.
Damit die Haupteinnahmequelle, der landwirtschaftliche Anbau, gestärkt wird, werden Dämme errichtet. Sie sorgen dafür, dass die Felder effektiver bewässert werden können und verhindern Erosion. Diese Maßnahmen werden gemeinsam mit den Bewohnern und durch Unterstützung der Regierung durchgeführt.

Mit Musik, Sprache und Traditionen die Kultur erhalten

Im Zuge des Schutzes und der Stärkung der Kultur werden bei Feierlichkeiten wieder traditionelle Musikinstrumente genutzt. Auch die ursprüngliche Sprache soll den Menschen wieder nähergebracht werden. Reden sollen wieder in der traditionellen Sprache gehalten werden und sogar die Schüler_innen werden in dieser Sprache unterrichtet. Bestimmte Personen werden darin geschult, den anderen Bewohnern die traditionelle Kunst und Kultur näher zu bringen. Sie dienen sozusagen als "Botschafter" ihrer Kultur. Damit die Menschen wieder ein Gespür für ihre Herkunft bekommen, werden die Merkmale ihrer Kultur systematisch dokumentiert. Traditionelle Gegenstände werden sogar in einem Museum ausgestellt, welches die Gemeinschaft besuchen kann. So wird die Kultur einerseits den Menschen selbst wieder näher gebracht, andererseits auch für die zukünftigen Generationen festgehalten.


Ihre Ansprechpartnerin

Janine Langer
Referat Indien

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