Andheri Hilfe

Rechte der Irulars (Adivasi) stärken

Wahrung der Rechte der Indigenen und Kastenlosen
Tamil Nadu, Süd-Indien

Was uns unvorstellbar scheint, ist in manchen Teilen Indiens noch Realität: Menschen, die ihr Leben in Schuldknechtschaft fristen müssen. Betroffen sind in Nord-Tamil Nadu die Irular, eine indigene Gruppe, und die Dalits, Kastenlose. Sie schuften in Reismühlen oder Ziegeleien reicher Großgrundbesitzer, roden als Tagelöhner Brachland, fällen Holz oder stellen Holzkohle her. Mit unserer Partnerorganisation HELP setzen wir uns dafür ein, dass sich diese untragbaren Zustände ändern.

Die Irulars demonstrieren für ihre Rechte

Projektpartner

Kancheepuram HELP (Human Enlightenment Path)
Vellore und Thiruvannamalai Distrikt, Tamil Nadu, Indien

307 €

für eine Fortbildung zur Stärkung der Kommunikationsfähigkeiten für 100 Teilnehmer_innen.

150 €

kostet ein Ferien-Bildungscamp für 50 Kinder

Menschenrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung

Seit 15 Jahren unterstützt die ANDHERI HILFE die Organisation Human Enlightenment Path (HELP), die sich im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu vor allem für die Rechte und bessere Lebensbedingungen der Irular-Adivasi engagiert. Die Irulars sind die am stärksten benachteiligte Bevölkerungsgruppe dieser Region. Viele leben noch in Schuldknechtschaft, die uns an das Mittelalter erinnert. Sie schuften in Reismühlen oder Ziegelbrennereien, und doch reicht ihr Lohn meist nicht einmal zur Tilgung der Wucherzinsen. Sie wohnen oft am Rande der Dörfer ohne Landrechte und jegliche Infrastruktur. Bürgerrechte wie Ausweispapiere werden ihnen verwehrt. Nur 2-3 % der Erwachsenen können lesen und schreiben. Immer wieder wird uns von unglaublicher Willkür, Diskriminierung und Gewalt an dieser armen und benachteiligten Bevölkerungsgruppe berichtet.

 

Unsere Partnerorganisation HELP

Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation HELP setzen wir uns dafür ein, die Lebensbedingungen der Irular zu verbessern. Die Irulars bekommen von der Bürgerbewegung People's Forum und dem HELP-Team Unterstützung, um sich gegen Menschenrechtsverletzungen zu wehren, ihre Rechte als Bürger_innen zu erhalten, Regierungsprogramme zu nutzen, Arbeitsbedingungen fairer auszuhandeln und ihre Lebensbedingungen zu verbessern.

Die Arbeit ist äußerst herausfordernd. Regelmäßig sind die Leiter_innen des People's Forums und die Projektmitarbeiter_innen selbst Gewalt ausgesetzt oder werden von der Polizei zu Unrecht ins Gefängnis gesteckt.

 

Bürgerbewegung für die Wahrung der Rechte

HELP baut systematisch Dorfkomitees auf und vernetzt diese als People's Movement. Alle Komitees konnten in der vergangenen Projektphase gestärkt werden und funktionieren weitgehend selbstständig. Es wird großer Wert darauf gelegt, Frauen und junge Erwachsene als Leiter_innen der Komitees fortzubilden. Dadurch haben sie sehr viel Selbstbewusstsein und Wissen gewonnen, behaupten sich gegenüber ihren höherkastigen Arbeitgebern und verhandeln eigenständig mit Regierungsbeamten, vor denen sie sich früher fürchteten.

Für die Kinder werden regelmäßig Ferienbildungscamps abgehalten, damit sie in der öffentlichen Schule einen guten Abschluss machen können. Für Jugendliche wird Berufsberatung angeboten. Die junge Generation hat heute völlig neue Perspektiven. Ihre Herkunft soll keine Rolle mehr spielen.

 

Neue Zusammenarbeit für die Rechte der Dalits

Die Bürgerbewegung ist zu einer bedeutenden und anerkannten unabhängigen sozio-politischen Kraft geworden, bekannt und geachtet für ihr bedingungsloses Eintreten auch gegen die weit verbreitete Korruption. Da es immer wieder Anfragen aus Dalitdörfern gibt, werden jetzt auch gezielt Dalits, die als sog. "Kastenlose" ebenfalls am unteren Ende der indischen Gesellschaft stehen, in die Projektarbeit einbezogen.

Eine eigene Ziegelkooperative beendet die Schuldknechtschaft

Einer der größten Erfolge in unserer Zusammenarbeit mit HELP ist die Befreiung von Irular-Familien aus der Schuldknechtschaft und der Aufbau einer eigenen Ziegelkooperative, die ihnen und vielen anderen nun ein sicheres, faires Einkommen sichert.

Ravi, der mit seiner Frau und den fünf Kindern lange Jahre in einer Reismühle arbeiten musste, berichtet: "Gemeinsam mit dreißig anderen Familien mussten wir tagein, tagaus in der Reismühle schuften. Es war, als wären wir im Gefängnis. Wir lebten in armseligen Behausungen auf dem Gelände der Mühle und mussten jeden Tag von früh bis spät arbeiten. Ständig wurden wir von den Aufsehern bestraft, weil wir ihrer Meinung nach nicht hart und schnell genug arbeiteten. Es gab nur eine Mahlzeit pro Tag. Wir waren schwach, die Kinder wurden oft krank. Wir wussten nicht, was wir tun sollten. Wenn wir weglaufen würden, wovon sollten wir leben? Außerdem würden sie uns sowieso finden und hart bestrafen. Es schien hoffnungslos… Doch ein Mann aus unserer Mitte hatte Glück und konnte entwischen. Er setze sich mit HELP in Verbindung und schilderte den Mitarbeiterinnen dort unser Schicksal. HELP setzte sich sofort mit der Distriktverwaltung in Kontakt und konnte zwei Tage später mit der Polizei die Kinder, Frauen und Männer aus der Reismühle befreien. Wir bekamen von der Regierung ein kleines Stück Land und eine Entschädigungszahlung zugewiesen. Gemeinsam mit HELP überlegten wir, wie wir zukünftig für unsere Familien sorgen sollten. Wir wollten gemeinsam Ziegelsteine herstellen und verkaufen und beschlossen zu diesem Zweck eine Ziegelkooperative aufzubauen. Unzählige Gespräche mit Regierungsvertretern waren notwendig, um die Genehmigungen und Fördergelder zu bekommen. Auch setzten wir uns dafür ein, dass unser Dorf mit sauberem Wasser und Strom versorgt wurde und unsere Kinder zur Schule gehen konnten. Es war ein langer und harter Kampf. Doch heute haben wir unsere eigene Ziegelkooperative und sind damit sehr erfolgreich. 110 Frauen und Männer arbeiten hier heute zusammen. Endlich haben wir die Rechte, die uns zustehen, können unsere Familien versorgen und unsere Kinder sicher und glücklich aufwachsen sehen."

 

 

Ihre Ansprechpartnerin

Barbara von Hillebrandt-Jung
Referat Indien

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Telefon: 0228 / 926 525 32