ANDHERI HILFE

Rosi Gollmann erhält EINEWELT-Medaille

Am Donnerstag hat Entwicklungsminister Gerd Müller die Gründerin der ANDHERI HILFE Rosi Gollmann mit der EINEWELT-Medaille in Gold für ihr persönliches Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit ausgezeichnet. Um 18 Uhr fand die Preisverleihung mit der vom BMZ neu ins Leben gerufenen EINEWELT-Medaille in der Villa Hammerschmidt statt.

Einen Kurzbericht über Rosi Gollmann finden Sie auf der Seite des WDR-Fernsehen:

Hier klicken, um den Bericht im WDR-Fernsehen anzuschauen (ab ca. Minute 18:40)

Rosi Gollmann, 1927 in Bonn geboren, wurde 1959 durch einen Artikel im STERN auf die Not indischer Findelkinder in einem Waisenhaus in ANDHERI bei Bombay (heute Mumbai) aufmerksam. Weil ihr dies keine Ruhe ließ, organisierte sie die erste Hilfsaktion. Drei Jahre später folgte ihre erste Reise nach Indien. Vor Ort informierte sie sich intensiv, lernte die Armen und Notleidenden, die Entrechteten und Ausgestoßenen kennen und lieben. Zurückgekehrt machte sie die Menschen in Deutschland unermüdlich auf die Not dort und auf unsere Verantwortung hier aufmerksam, scharte immer mehr Gleichgesinnte um sich und motivierte zum Teilen. Ihre überzeugenden Aktivitäten wirkten ansteckend. 1967 gründete sie die ANDHERI HILFE, deren Hauptziel zu Anfang die Sicherung der täglichen Hand voll Reis für die etwa 400 Kinder in diesem Waisenhaus St. Catherine’s Home zu Andheri war.

In den Folgejahren erlebte die ANDHERI HILFE mit Rosi Gollmann als ihrer ersten Vorsitzenden einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess. Es ging bald nicht mehr um die Bekämpfung der Symptome wie Hunger und Krankheit, sondern um das Hinterfragen und Anpacken der Ursachen: ein unverkennbar klarer Weg vom Ansatz rein karitativer Hilfe hin zu partnerschaftlicher Entwicklungszusammenarbeit.

Die sich daraus ergebende Konsequenz war für Rosi Gollmann und ihre ANDHERI HILFE, dass die Förderung bald nicht mehr allein den notleidenden Kindern im St. Catherine’s Home zu Andheri und in anderen indischen Waisenhäusern galt: Jetzt wurden Straßenkinder und Kinderarbeiter, Kinder mit Behinderungen sowie deren Familien und unterprivilegierte Frauen zu wichtigen Zielgruppen. Diese Ausdehnung der Aktivitäten geschah nicht vom „grünen Tisch“ in Deutschland aus: Immer wieder analysierte Rosi Gollmann im intensiven Dialog mit den Betroffenen deren Situation von Armut und Ungerechtigkeit und suchte mit ihnen gemeinsam nach angemessenen Lösungen. Dabei wagte sie innovative Ansätze, auf die Erfordernisse der jeweiligen Situation der Armen zugeschnitten.

 

1974, bei ihrem ersten Besuch in Bangladesch, wurde Rosi Gollmann mit der unvorstellbaren Not von mehr als einer Million blinder Menschen konfrontiert. Ihre Idee: fortan auch den Blinden in Bangladesch helfen. Dem ersten geheilten Blinden folgten inzwischen weit über eine Million, dankbar für das „Glück zu sehen“. Dieses Hilfsprojekt heißt heute "Augenlicht retten in Bangladesch".

Inhalt der Entwicklungsprojekte war nie die Vergabe von Almosen – das widerspricht nach Rosi Gollmanns Überzeugung dem Respekt vor der Würde des Menschen – sondern gezielte Hilfe zur Selbsthilfe durch Bewusstseinsbildung, sowie Einbindung der betroffenen Menschen in Selbsthilfegruppen. „Der Mensch kann nicht entwickelt werden; er kann sich nur selbst entwickeln“, lautet Rosi Gollmanns Devise.

Die Anforderungen stiegen so sehr, dass Rosi Gollmann im Jahre 1971 ihren Schuldienst auf die Hälfte der Pflichtstunden reduzierte und schließlich 55-jährig den Schuldienst ganz aufgab, um uneingeschränkt (ehrenamtlich) für die wachsenden Aufgaben der ANDHERI HILFE frei zu sein. Und das ungeachtet der nicht unwesentlichen Reduzierung ihrer Rente. Ihr Lebensstil ist einfach, ihre Ansprüche – im Wissen um die Not der Armen – überaus bescheiden.

Zur Vita von Rosi Gollmann

 

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Rosi Gollmann und Gerd Müller
Rosi Gollmann erhält die Auszeichnung von Bundesminister Gerd Müller
Rosi Gollmann Bonn Lokalzeit WDR
Rosi Gollmann in der WDR Lokazeit Bonn (ab Minute 18:40).