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Andheri-Hilfe Bonn

Rajasthan: Entwicklungsprogramm für Gadulia Lohar

Projekt-Kurzinformationen

Projekttitel

Programm zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Gadulia Lohar

Partnerorganisation

Swa-Sahyog Sangstha

Finanzierung: Die Andheri-Hilfe unterstützt das Projekt im Zeitraum 1/07 bis 6/13 mit 50.000 Euro jährlich 

I-003-05/05

Hauptaktivitäten

Unterstützung der Familien, die sesshaft werden möchten, bei dieser Umstellung ihrer Lebensweise

Aufklärung und Unterstützung der Gadulia Lohars, dass sie Rechte geltend machen können (Wahlrecht, Landzuteilungen, Lebensmittelkarten etc.)

Gesundheitliche Aufklärungsarbeit

Vorbereitung der Kinder auf den Schulbesuch durch einfache Kindergärten

Kosten

Monatsgehalt eines Mitarbeiters: 74 Euro

Spiel- und Lernmaterial: 46 Euro pro Kindergarten und Jahr

Ausbildung einer Dorf-Hebamme: 27 Euro

Die Herkunft der wandernden Schmiede


Als im 16. Jahrhundert die Mogulherrscher große Teile Indiens eroberten, bereitete sich Rana Pratap, König der Rajputen, im Fort von Chittorgarh auf den Kampf vor. Doch das Fort fiel. Die entkommenen Rajputen leisteten einen Schwur, als Nomaden zu leben, bis Freiheit und Glanz von Chittorgarh wieder hergestellt seien. Ihrer eigenen Überlieferung nach sind die Gadulia Lohar die Nachfahren dieser Rajputen. Benannt nach ihrem Ochsenkarren, dem "Gadiyah", auf dem sie ihren gesamten Besitz transportieren, ziehen sie von Dorf zu Dorf und verdienen ihr Geld, indem sie Werkzeuge für die Landwirtschaft schmieden und an die Bauern verkaufen.

 

Kampf ums Überleben in der modernen Welt

Heute ist das Überleben für die Gadulia Lohar ein täglicher Kampf. Mit ihrer traditionellen Arbeit können sie kaum genug zum Leben verdienen, denn die Industrie produziert günstigere und besser verarbeitete Werkzeuge. Da sie keinen festen Wohnsitz haben, sind die Gadulia Lohar bei der Regierung nicht registriert und haben somit keinerlei Zugang zu staatlicher Unterstützung. Ihre Kinder können keine Schulen besuchen, da die Familien nie lange genug an einem Ort bleiben. Obwohl die Gadulia Lohar von einer höher gestellten Kaste abstammen, werden sie von ihrer Umgebung heute wie Unberührbare behandelt. Ihr Leben zu ändern und sesshaft zu werden fällt ihnen aufgrund des überlieferten Schwurs schwer. Schon 1955 wurde ihnen das Fort von Chittorgarh von Premierminister Nehru symbolisch zurückgegeben: Doch aus Angst, ihre Göttin zu verärgern, behielten sie ihren traditionellen Lebensstil bei.


Der Versuch dabei zu helfen

 
Unserer Partnerorganisation Swa-Sahyog Sanstha ist es ein großes Anliegen, dieser Bevölkerungsgruppe eine Entwicklungs-perspektive aufzuzeigen. 2004 begannen sie mit diesem Projekt. Um zunächst Vertrauen zu gewinnen, begleiteten Mitarbeiter einige Clans der Gadulia Lohar auf ihren Wanderungen. Es stellte sich heraus, dass viele von ihnen mittlerweile bereit sind, sich niederzulassen. Doch wie und wo?

Unser Partner unterstützt die Menschen dabei, Anträge bei der Regierung einzureichen: zunächst für Grundstücke, dann für finanzielle Unterstützung zum Hausbau. Kein einfacher Weg, aber ein gangbarer, wie sich gezeigt hat. Kishor Lohar ist einer der herausragenden Führer: Er war einer der ersten, dem in den Gesprächen mit Herrn Gautam von Swa-Sahyog Sanstha klar wurde, dass sich ihr Leben und das ihrer Kinder nur zum Besseren hin verändern kann, wenn sie sesshaft werden, wenn sie sich an einem festen Ort Arbeit suchen und ihre Kinder zur Schule schicken können. 20 Familien motivierte er, sich mit ihm gemeinsam nahe der Kleinstadt Chaksu niederzulassen. Die Behörden waren alles andere als begeistert. Die Polizei griff ein. Aber die Gadulia Lohars kannten inzwischen ihre Rechte und forderten diese ein: friedlich, aber bestimmt. Inzwischen haben 48 Familien ein Stück Land von der Regierung erhalten und einen spürbaren Zuschuss zum Bau eines kleinen, einfachen Hauses. Jetzt verhandeln sie über einfache Latrinen und Stromanschluss.

 

 

Als "registrierte Bürger von Chaksu" haben sie jetzt natürlich auch Wahlrecht. Sie können ihre Kinder in die lokalen Schulen schicken, sich um Arbeit unter dem "Nationalen Arbeitsgarantieprogramm" bewerben und Witwen können eine kleine Pension erhalten.

Im Gesundheitsbereich ist ein ganz neues Bewusstsein gewachsen: persönliche Hygiene sowie Geburtsvor- und -nachsorge werden heute immer selbstverständlicher für die Gadulia Lohars.

Natürlich sind noch längst nicht alle Schwierigkeiten überwunden. Die Frage der Einkommensmöglichkeiten ist immer noch eine brennende. Einige junge Leute sind jetzt auch bereit, ihren traditionellen Schmiedeberuf aufzugeben und sich anders zu orientieren. Ob bei diesen Bemühungen oder der Weiterqualifizierung als Schmied können sie auf die Unterstützung der Andheri-Hilfe vertrauen.

Kishor strahlt: "Unser Leben hat sich so spürbar verbessert. Und das Wichtigste ist, dass wir erfahren, dass unsere Göttin uns nicht zürnt! Jetzt werden immer mehr Gadulia Lohars diesen Weg wählen!"

Ihre Ansprechpartnerin

Dr. Anke Hünninghaus

Projektreferentin Nordindien, Südindien 

Tel: 0228/ 926 525 34
 anke.huenninghaus@
andheri-hilfe.org