ANDHERI HILFE

Anpassung an Klimawandel und Existenzsicherung für Menschen in fragiler Region

Wir haben mit unserer Partnerorganisation SKS Foundation ein Projekt in Bangladesch begonnen, das die Lebensgrundlagen von extrem armen Menschen sichern soll. Ein gutes Beispiel, wie sich die Menschen an den Klimawandel anpassen. Die 5.000 Familien leben auf Inseln in Saghata, einem Unterbezirk an einem der drei großen Flüsse Bangladeschs, dem Brahmaputra. Diese Region ist eine der am stärksten von Überschwemmungen und Flusserosion betroffenen in dem 165 Millionen Einwohner zählenden Land.

Klimawandel in Bangladesch: Arbeit auf dem Feld
Der Klimawandel beeinflusst Bangladesch besonders stark und es bedarf vieler Anpassungen. So werden z.B. überschwemmungsresistente Sorten angebaut

Projektpartner

SKS Foundation

Bangladesch

80 €

80 EUR werden benötigt, um einen Brunnen auf flutsicherem Grund zu errichten. Dieser versorgt mehr als 20 Haushalte mit Trinkwasser. Unterstützen Sie unser Projekt mit Ihrer Spende unter dem Stichwort „Klima und Umwelt schützen“.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu 75 % mitfinanziert. Die ANDHERI HILFE muss allein in diesem Jahr 75.000 EUR einbringen.

Klimawandel verstärkt extreme Armut

Die Menschen in dieser Gegend leben in extremer Armut. Knapp die Hälfte der Fläche von Saghata besteht aus Flussinseln, den Chars. Immer wieder kommt es zu starken Monsunüberschwemmungen. Den ohnehin armen Menschen bleiben nur die Flucht und der Wiederaufbau, nachdem ihre Lebensgrundlage zerstört wurde. Die 21.500 Menschen besitzen nur sehr wenige wirtschaftliche Ressourcen. Sie haben begrenzten Zugang zu Lebensmittelmärkten und Schulunterricht und wissen bisher wenig über klimaresistente Landwirtschaft. Außerdem kennen sie kaum ihre Rechte und Ansprüche im Rahmen staatlicher Sozialleistungen und sind gesundheitlich extrem schlecht versorgt.

 

Selbsthilfegruppen als erster Ankerpunkt

Eines der ersten Ziele der SKS Foundation ist es, dass Mitglieder aus jedem Haushalt in Selbsthilfegruppen organisiert sind und die Treffen regelmäßig stattfinden. Anfangs erstellen die Gruppen unter Anleitung der Projektmitarbeitenden Aktionspläne für den Anbau von überschwemmungsresistenten Lebensmitteln. Im weiteren Verlauf des Projekts machen sie dies dann selbstständig und helfen sich gegenseitig, die Lebensmittel für ihre Familien anzubauen. Eine Besonderheit in diesem Programm: Gruppen für verheiratete Männer. Hier geht es darum, den familiären Frieden zu fördern und den Familienzusammenhalt zu stärken. Themen wie Gewalt gegen Frauen und heranwachsende Mädchen, Kinderrechte, sexuelle und reproduktive Gesundheit von Frauen und Mädchen und Unterstützung von Frauen bei Haushaltsarbeiten werden thematisiert.

Arbeitsbeziehung zu staatlichen Lokalbehörden aufbauen

Darüber hinaus sollen die Gruppen ihre Rechte kennen und sie einfordern. Konkret sollen sie nachhaltige Arbeitsbeziehungen zu den Fachabteilungen der staatlichen Kommunalverwaltung aufbauen, an die sie sich mit ihren Anliegen wenden und an die sie Anträge stellen können. Die Gruppen werden sich dafür einsetzen, dass möglichst viele Menschen Unterstützung der verschiedenen Fachbereiche erhalten. Zum Beispiel für die Förderung von Kindern und Jugendlichen, der Landwirtschaft oder der Tierhaltung. Auch geht es um die Sicherung des Zugangs zu Basis-Gesundheitsdienstleistungen.

Katastrophenvorsorge durch den Klimawandel noch wichtiger

70 Dörfer im Unterbezirk Saghata sollen in das gemeindebasierte Hochwasser-Frühwarnsystem eingebunden werden. Allein 195 Haushalte, deren Wohnhäuser unterhalb des Hochwasserspiegels liegen, werden in den nächsten Monaten auf eine Höhe von eineinhalb Metern angehoben und sind damit vor Überschwemmungen geschützt.

Die Menschen in 30 besonders gefährdeten Dörfern lernen in ihren Selbsthilfegruppen, in „Lebensmittelbanken“ Reis für Krisenzeiten zu sparen. Diese werden von einem fünfköpfigen Managementkomitee verwaltet, das die Mitglieder jährlich nominieren.

Klimaschutz und Gesundheitsschutz

Durch den Einsatz von verbesserten Kochherden mit langem Schornstein sollen 2.000 Haushalte Geld und Zeit sparen, weil deutlich weniger Brennholz benötigt und die Kochzeit halbiert wird. Zudem leben gerade die Frauen und Kleinkinder gesünder, weil sie beim Kochen nicht mehr den Rauch des offenen Feuers einatmen. Der geringere Holzbedarf reduziert Abholzung und CO2-Ausstoß beträchtlich.

3 Fragen an unseren zuständigen Projektreferenten Dr. Martin Peter Houscht

Wie sind die ersten Monate seit Projektbeginn verlaufen?

Houscht: Zunächst sind Selbsthilfegruppen gebildet worden. Die Mitglieder treffen sich vierzehntägig und erarbeiten Aktionspläne. Alle Familien erbringen regelmäßige Sparleistungen. Es wurde mit dem Bau von Latrinen und der Instandsetzung von Brunnenfundamenten begonnen. Einige Familien haben auch schon Vieh erhalten, um ihre Einkommensoptionen ausdehnen zu können.
 
Warum ist die Situation im Projektgebiet für Frauen und Mädchen besonders schwer?

Houscht: Die Situation auf den Inseln ist für die Familien oft noch schwieriger als auf dem Festland, da es an Infrastruktur (z.B. an Gesundheitseinrichtungen und entsprechenden Dienstleistungen) mangelt. Dies bedeutet große Risiken für Frauen im Rahmen von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Auch gibt es weniger Beschäftigungsmöglichkeiten. Oft ist der Weg zur Arbeit länger, bzw. nur über eine Bootsfahrt zu erreichen. Die Lohndiskriminierung von Frauen im nicht-formalen Beschäftigungssektor ist weit verbreitet. In vielen Fällen kommt es vor, dass mittellose Frauen gezwungen sind, ihre Arbeitskraft im Voraus zu verkaufen und dafür eine sehr geringe Bezahlung erhalten. Auch kommt es zu Gewalt gegen Frauen und Mädchen z.B. im Zusammenhang mit der Mitgiftpraxis. Schließlich sind noch Ehescheidungen und die Verheiratung von Minderjährigen zu nennen, die jeweils eigene große Probleme für Frauen und Mädchen mit sich bringen.

Was ist für die Menschen darüber hinaus wichtig?

Houscht: Sie wollen ihre Verwundbarkeit gegenüber Überschwemmungen dauerhaft reduzieren wie auch ihre Gesundheit verbessern. Für beides wird eine Zusammenarbeit mit lokalen Behörden und Fachstellen angestrebt.


Wir freuen uns über ihre Spenden unter dem Kennwort "Klima und Umwelt schützen".

Hier können Sie schnell und sicher online spenden. 

Ihr Ansprechpartner

Dr. Martin Peter Houscht
Referat Bangladesch

Kontakt

E-Mail

Telefon: 0228 / 926 525 35