ANDHERI HILFE

Die "Musahar": Die Ärmsten in Indien
Sogar die anderen Dalit ("Unberührbaren") möchten nichts mit ihnen zu tun haben

Musahar, übersetzt die „Rattenesser“, sind die Allerletzten in der indischen Gesellschaftshierarchie. Sie gelten als so unrein, dass selbst die anderen Dalit („Unberührbaren“) nichts mit ihnen zu schaffen haben wollen.

Die Kinder der Musahar im Norden Indiens werden ganz besonders diskriminiert.

Projektpartner

Jan Vikas Sansthan

Uttar Pradesh / Indien

66 €

Eine Spende in Höhe von 66 Euro reicht als Starthilfe für eine Familie.

1.650 €

Eine Starthilfe für ein ganzes Dorf!

Elvira Greiner (Erste Vorsitzende) berichtet von ihrer Reise nach Uttar Pradesh:

Als "Elend" muss man wirklich beschreiben, was ich in den Musahar-Dörfern im nordindischen Uttar Pradesh erlebt habe. Sie können sich nicht vorstellen, in welcher Armut die Menschen hier leben. In fast 40 Jahren bei der ANDHERI HILFE habe ich viel gesehen, aber solche Not nur selten. Kinder mit herausstehenden Rippen, nur mit ein paar Lumpen bekleidet - und das bei einstelligen Temperaturen in der Nacht. Die Hütten aus ein paar Stöcken und ein wenig Stroh bieten kaum Schutz. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es hier in der Regenzeit aussieht.

Ein dicker Kloß steckte mir im Hals. „Wie können wir diesen Menschen helfen?“, das war die Frage, die mich nicht mehr losließ. Wie dankbar bin ich, dass Herr Raj Mani und sein Team von der Organisation Jan Vikas Sansthan den Mut zeigen, mit diesen Menschen zu arbeiten. Jetzt haben sie ihre Pläne für das erste Jahr vorgelegt. Wir wollen so schnell wie möglich zusagen, damit Hoffnung wachsen kann für 254 Musahar-Familien in 20 Dörfern. Es ist eine Mammutaufgabe, denn es fehlt an allem: an ausreichender Ernährung und Kleidung, an menschenwürdigen Wohnbedingungen, an ärztlicher Versorgung, Schulbildung und Arbeitsmöglichkeiten. Es wird kein einfacher Weg, hier umfassende Veränderungen zu erreichen. Aber ich bin sicher, dass wir schon bald einen Hoffnungsschimmer in den Augen der Menschen sehen können, wenn wir sie begleiten, ihnen Möglichkeiten aufzeigen und ihnen die notwendige Starthilfe geben.

Reise zu den Musahar

Im Februar war ich  im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh unterwegs, unweit der nepalesischen Grenze; gemeinsam mit Herrn Raj Mani und seinem Team. Durchfragen müssen wir uns zu diesen abgelegenen Siedlungen. „Wohin wollen Sie? Zu den Musahar?“ Ungläubiges Staunen. Dann unwillig eine Handbewegung Richtung Felder. Aus der Straße wird ein Feldweg, rechts und links fruchtbare Felder: Weizen, Senfsaat und Kartoffeln. So schlimm, wie geschildert, kann es hier doch nicht um die Musahar bestellt sein, geht es mir durch den Kopf. Musahar, übersetzt die „Rattenesser“, sind die Allerletzten in der indischen Gesellschaftshierarchie. Sie gelten als so unrein, dass selbst die anderen Dalit („Unberührbaren“) nichts mit ihnen zu schaffen haben wollen. Vor uns tauchen ein paar jämmerliche mit Stroh gedeckte Hütten auf. Das Musahar-Dorf. Wir steigen aus. Anders als sonst, wo es oft ein freudiges Willkommen in den Dörfern gibt, hier nur fragende, schüchterne Blicke. Raj Mani und vor allem seine Mitarbeiterin Kanchana sprechen mit den Leuten, erklären ihnen, wieso wir gekommen sind, dass wir ihnen vielleicht helfen können. Kaum eine Reaktion. Keine Ablehnung oder Feindseligkeit. Nein, einfach nur Apathie. Wir gehen durch das Dorf, sehen Hütten, die anderswo nicht einmal als Viehställe genutzt würden; gehen zum Versammlungsplatz, setzen uns auf den Boden.

Von allen diskriminiert

Einige Frauen mit ihren Kindern setzen sich zu uns.  Die Männer bleiben im Hintergrund, stumm. Nur langsam kommt das Gespräch in Gang. Wovon sie denn leben, ob sie auf den Feldern bei der Ernte helfen? „Nein!“ „Wieso nicht?“ „Wir sind Musahar. Würden wir die Kartoffeln berühren, so wären sie so verunreinigt, dass niemand sie mehr essen könnte.“ Die Musahar dürfen also nicht auf den Feldern arbeiten, haben natürlich erst recht kein eigenes Land, für Tierhaltung haben sie kein Futter. Die Kinder sind unter- und mangelernährt. Kein einziges von ihnen geht zur Schule. Dabei könnten sie dort wenigstens eine Mahlzeit erhalten. „Wieso schickt ihr Eure Kinder nicht zur Schule?“ „Sie ist zu weit weg.“ Zwei Kilometer, da scheint die Antwort nicht überzeugend.

Wo soll man hier beginnen?

Almosen geben wäre einfach – doch ein Leben in Würde aufzubauen ist das Ziel!

Wie können wir beginnen, den Musahar den Weg zu einem Leben in Würde aufzuzeigen? Hier, wo es an allem fehlt: an Arbeit und Einkommen, am täglichen Essen und an Versorgung im Krankheitsfall, an Bildung und vor allem an Selbstwertgefühl.

Unser erster Impuls: Lass uns ein paar Säcke Reis und Gemüse kaufen, damit die Menschen wenigstens heute etwas zu essen haben! Der zweite Gedanke: Dann fühlen sie sich wieder als Almosenempfänger. Und genau das ist der falsche Weg. Wir wollen sie nicht in ihrem unwürdigen Bettlerdasein bestätigen, sondern ihnen helfen zu erkennen, dass auch sie Menschen mit Fähigkeiten sind – und ein Recht auf ein Leben in Würde haben.

Raj Mani selbst ist Dalit, aber immerhin kein Musahar. Trotzdem hat auch er Armut und Diskriminierung erlebt. Mit 16 wurde er verheiratet, sollte fortan als Wanderarbeiter schuften. Doch er suchte sich einen Job, um weiter zur Schule gehen zu können. Sogar studiert hat er. Später gründete er seine eigene kleine Organisation: Jan Vikas Sansthan, um anderen Dalit eine Chance zu geben. Sogar den Musahar!

Unsere Ziele für die Musahar sind:

• Sie sollen sich registrieren, um über Regierungsprogramme Grundnahrungsmittel und bezahlte Arbeit zu erhalten.

• Ihre Kinder sollen in Kindergärten und Schulen akzeptiert werden, hier Bildung erhalten und täglich eine Mahlzeit.

• Die Gesundheitsversorgung (vor allem für Schwangere und Kinder) soll über staatliche Gesundheitsdienste erreicht werden.

• Kleine Einkommensprojekte sollen ihnen regelmäßige Einkünfte ermöglichen.

• Über Regierungsprogramme sollen sie Toiletten und einfache Häuser erhalten.

 
Ein langer Weg liegt vor ihnen – und vor uns, die wir die Musahar dabei begleiten wollen. Sie können es schaffen, wenn wir ihnen die Hand reichen.

Bitte machen Sie mit. Vielen Dank!


Ihre Elvira Greiner

 

Ihre Spende bedeutet Starthilfe:

66 Euro für eine Familie, 1.650 Euro für ein ganzes Dorf!

Ihre Spende wirkt! Sie können hier direkt und sicher online spenden.

Ihre Ansprechpartnerin

Elvira Greiner
Erste Vorsitzende der ANDHERI HILFE

Kontakt

E-Mail

Telefon: 0228 / 926 525 33

Ihre Ansprechpartnerin

Heike Kluve
Referat Indien

Kontakt

E-Mail

Telefon: 0228 / 926 525 25