Andheri Hilfe

Rosi Gollmann, Gründerin der ANDHERI HILFE

Rosi Gollmann gründete die ANDHERI HILFE

Alles begann an einem Tag im Jahre 1959, als eine von Rosi Gollmann „sozial infizierte“ Schülerin ihr einen Artikel aus einer deutschen Illustrierten (Stern) in den Unterricht brachte. Die dort beschriebene Not indischer Findelkinder in einem Waisenhaus in ANDHERI bei Bombay (heute Mumbai) ließ Rosi Gollmann keine Ruhe. Zusammen mit ihren Schülerinnen und Schülern brachte sie hunderte von Päckchen mit lebenswichtigen Artikeln für die Waisenkinder in Andheri auf den Weg.

Person und Leben von Rosi Gollmann

Rosi Gollmann wurde am 9. Juni 1927 als jüngstes von drei Kindern einer Bonner Kaufmannsfamilie geboren. Als Kind erlebte sie in ihrem bürgerlichen, christlich geprägten Elternhaus die ideologische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Ihre Jugend war geprägt vom Krieg: Ihr ältester Bruder fiel 1941 in Afrika; der jüngere Bruder war viele Jahre in polnischer Gefangenschaft. Fliegerangriffe, Flucht aus der Heimat, das Erlebnis von Not und Tod, vom Kampf ums Überleben und von der Härte des Neuanfang ließen tiefe Spuren in ihr zurück. Da liegen wohl die tiefsten Wurzeln für die Entscheidung der Achtzehnjährigen, auf Ehe und Familie zu verzichten, um sich uneingeschränkt sozialen Aufgaben zu widmen.

Der Anfang der ANDHERI HILFE

Sie studierte Theologie, und als katholische Religionslehrerin in Bonner und Kölner Berufs- und Berufsfachschulen waren für sie Religion und ihre Verkündigung immer eine Sache der Tat. So auch an jenem Tag im Jahre 1959, als eine von Rosi Gollmann „sozial infizierte“ Schülerin ihr einen Artikel aus einer deutschen Illustrierten (Stern) in den Unterricht brachte. Die dort beschriebene Not indischer Findelkinder in einem Waisenhaus in ANDHERI bei Bombay (heute Mumbai) ließ Rosi Gollmann keine Ruhe. Zusammen mit ihren Schülerinnen und Schülern brachte sie hunderte von Päckchen mit lebenswichtigen Artikeln für die Waisenkinder in Andheri auf den Weg.

Erste Reise nach Indien

Ihre erste Reise dorthin im Jahre 1962 gab dann ihrem Leben die vollständige Wende (es folgten viele weitere Reisen nach Indien und später auch nach Bangladesch; die genaue Zahl ihrer Fahrten hat sie nie gezählt). Vor Ort informierte sie sich intensiv, lernte die Armen und Notleidenden, die Entrechteten und Ausgestoßenen kennen und lieben. Zurückgekehrt machte sie die Menschen in Deutschland unermüdlich auf die Not dort und auf unsere Verantwortung hier aufmerksam, scharte immer mehr Gleichgesinnte um sich und motivierte zum Teilen. Ihre überzeugenden Aktivitäten wirkten ansteckend.

1967: Gründung als Verein

Und so kam es 1967 zur Gründung der Andheri-Hilfe Bonn e.V. in Bonn. Hauptziel war zu Anfang die Sicherung der täglichen Hand voll Reis für die etwa 400 Kinder in diesem Waisenhaus St. Catherine’s Home zu Andheri.
In den Folgejahren erlebte die ANDHERI HILFE mit Rosi Gollmann als ihrer ersten Vorsitzenden einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess. Es ging bald nicht mehr um die Bekämpfung der Symptome wie Hunger und Krankheit, sondern um das Hinterfragen und Anpacken der Ursachen: ein unverkennbar klarer Weg vom Ansatz rein karitativer Hilfe hin zu partnerschaftlicher  Entwicklungszusammenarbeit.

Weiterdenken - mit den Menschen vor Ort

Die sich daraus ergebende Konsequenz war für Rosi Gollmann und ihre ANDHERI HILFE, dass die Förderung bald nicht mehr allein den notleidenden Kindern im St. Catherine’s Home zu Andheri und in anderen indischen Waisenhäusern galt: Jetzt wurden Straßenkinder und Kinderarbeiter, Kinder mit Behinderungen sowie deren Familien und unterprivilegierte Frauen zu wichtigen Zielgruppen. Diese Ausdehnung der Aktivitäten geschah nicht vom „grünen Tisch“ in Deutschland aus: Immer wieder analysierte Rosi Gollmann im intensiven Dialog mit den Betroffenen deren Situation von Armut und Ungerechtigkeit und suchte mit ihnen gemeinsam nach angemessenen Lösungen. Dabei wagte sie innovative Ansätze, auf die Erfordernisse der jeweiligen Situation der Armen zugeschnitten.

Blindenhilfe Bangladesch

1974, bei ihrem ersten Besuch in Bangladesch, wurde Rosi Gollmann mit der unvorstellbaren Not von mehr als einer Million blinder Menschen konfrontiert. Ihre Idee: fortan auch den Blinden in Bangladesch helfen. Dem ersten geheilten Blinden folgten inzwischen weit über eine Million, dankbar für das „Glück zu sehen“.

Der Mensch kann nicht entwickelt werden; er kann sich nur selbst entwickeln!

Inhalt der Entwicklungsprojekte war nie die Vergabe von Almosen – das widerspricht nach Rosi Gollmanns Überzeugung dem Respekt vor der Würde des Menschen – sondern gezielte Hilfe zur Selbsthilfe durch Bewusstseinsbildung, sowie Einbindung der betroffenen Menschen in Selbsthilfegruppen.
„Der Mensch kann nicht entwickelt werden; er kann sich nur selbst entwickeln“ ist Rosi Gollmanns Devise.
Rosi Gollmann ging es in gleicher Weise immer um die Menschen hier. Die Sensibilisierung zur Verantwortlichkeit für die „Eine Welt für alle“ und als Folge bewusstes Umdenken und aktives „Umhandeln“ im eigenen Land ließen sie nicht ruhen. Sie warb in Gruppen, Schulen, Kirchen und Vereinen sowie in Einzelbegegnungen um echte Solidarität mit den Armen und Entrechteten, um volle Anerkennung ihrer Menschenwürde. Aktiv brachte sie sich in deutsche entwicklungspolitische Gremien ein, und ihre oft überraschenden und revolutionär anmutenden Gedankengänge und Entwicklungsansätze - auch das Anpacken gesellschaftlich „heißer Eisen“ - wurden auch auf politischer Ebene nicht überhört.
Die Anforderungen stiegen so sehr, dass Rosi Gollmann im Jahre 1971 ihren Schuldienst auf die Hälfte der Pflichtstunden reduzierte und schließlich, 55-jährig, den Schuldienst ganz aufgab (wenn auch schweren Herzens, denn sie liebte die Schule), um uneingeschränkt (ehrenamtlich) für die wachsenden Aufgaben der ANDHERI HILFE frei zu sein. Und das ungeachtet der nicht unwesentlichen Reduzierung ihrer Rente. Ihr Lebensstil ist einfach, ihre Ansprüche – im Wissen um die Not der Armen – überaus bescheiden.
Ihrem Entschluss, nicht zu heiraten, blieb Rosi Gollmann treu. Dennoch lebt sie nicht ohne eigene „Familie“: Eine der ersten jungen Inderinnen, Maryann Fernandes, wurde von Rosi Gollmann adoptiert und lebt und arbeitet auch heute noch mit ihr gemeinsam im Haus der Bonner ANDHERI HILFE. Die vielen Ehrungen und Auszeichnungen, die Rosi Gollmann erhielt (darunter das Große Bundesverdienstkreuz), hat sie im Interesse der Öffentlichkeitswirkung für die wichtigen entwicklungspolitischen Aufgaben angenommen. Sie lenkt dabei stets die Aufmerksamkeit auf die Leistungen der anderen: auf die Hilfsbereitschaft der Spender hier und vor allem auf die Anstrengungen der Menschen vor Ort und deren selbstlosen Einsatz.
 
2001 - 34 Jahre nach Gründung der ANDHERI HILFE - legte Rosi Gollmann als 74-jährige den ersten Vorsitz des Vereins in jüngere Hände. Elvira Greiner, seit mittlerweile über 30 Jahren vertraute Mitarbeiterin, übernahm die Leitung.

Aber Rosi Gollmann hat sich keineswegs in den eigentlich wohlverdienten Ruhestand zurückgezogen: Als Ehrenvorsitzende bleibt sie den Menschen in den Projekten dort, ebenso wie den Freunden und Spendern hier aktiv verbunden. Wie eh und je ist sie unermüdlich tätig, nimmt an Konferenzen teil, hält Vorträge, spricht neue Spender und Freunde an, hält Kontakt zu Andheri-Freunden, schreibt Briefe und Berichte und ist auch immer wieder in den Medien vertreten.

2005 schrieb Rosi Gollmann zusammen mit Franz Alt und Rupert Neudeck das Buch „Eine bessere Welt ist möglich“. Darin schildert sie aus ihrer reichen Erfahrung die „praktische Entwicklungszusammenarbeit mit menschlichem Gesicht“.

Biografie "Einfach Mensch"

Im September 2012 stellte Rosi Gollann ihre Autobiografie "Einfach Mensch" (ISBN: 978-3-442-15778-5) vor. Mit einer Lesung in der Thalia-Buchhandlung (Metropol Bonn) wurde das Buch offiziell eingeführt. Die Moderation führte der Journalist und Autor Dr. Franz Alt. Franz Alt begleitete Rosi Gollmann häufig nach Indien und berichtete mehrfach im Magazin "Report" in der ARD über die Projekte der ANDHERI HILFE. Rosi Gollmann wurde zu unzähligen Fernseh- und Radiosendungen (z.B. ZDF, ARD, WDR, HR, BR, D-Radio) eingeladen und erzählte aus ihrem Buch bzw. aus ihrem Leben.

ISBN: 978-3-442-15778-5

 

Auszeichnungen für Rosi Gollmann

1979 Bundesverdienstkreuz am Bande
1980 Päpstlicher Orden „Pro Ecclesia et Pontifice“
1987 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
2002 „Das Goldene Herz“ (in der Gala-Show von „Bild hilft“)
2003 Luise-Rinser-Preis
2004 Namensgebung „Rosi-Gollmann-Schule“ Tiefenbach (Kreis Karlsruhe)
2005 „Chance of the World Award“ vom Club of Budapest
2005 Großes Bundesverdienstkreuz
2009 Caritas-Ehrenzeichen in Gold
2013 Deutscher Engagement-Preis des Bündnis für Gemeinnützigkeit
2016 Nominierung WCP

Ihre Ansprechpartnerin

Rosi Gollmann
Gründerin und Ehrenvorsitzende

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Telefon: 0228 / 926 525 36