
Projekt-Kurzinformationen | ||
Projekttitel: Verbesserung der Einkommens-, Bildungs- und Gesundheitssituation von Teegartenarbeiterinnen und -arbeiter und Ureinwohnern in Bangladesch Partnerorganisation: Projektnummer: Finanzierung:
| Hauptaktivitäten Fortsetzung der Arbeit in 181 Selbsthilfegruppen Dialogprogramme zwischen zivilgesellschaftlichen Akteuren Vorschul- und Grundschulprogramm Gesundheitserziehung, Fortbildung von Hebammen Berufliche Fort- und Ausbildungsmaßnahmen Darlehensvergabe an Existenzgründer
| Kosten 3tägige berufliche Fortbildung für eine Person: 4 Euro Monatliche Trainingskosten (Schweißen): 37 Euro Monatsgehalt eines Ausbilders: 113 Euro Lernmaterialien für eine Vorschule (30 Kinder) für ein Jahr: 165 Euro
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Die Lebenssituation der in den Teegärten und mit traditioneller Weberei beschäftigten ethnischen Minderheiten im Distrikt Moulvibazar ist charakterisiert durch chronische Armut. Arbeitslosigkeit, Krankheit und fehlende Chancengleichheit, letztere oft in Kombination mit offener Diskriminierung, sind die wichtigsten Faktoren, die zu Armut führen. Andheri-Hilfe unterstützt seit Anfang November 2005 (bis März 2009 mit Unterstützung des BMZ) ein Projekt gegen die Armut im Nordosten Bangladeschs. Es ist das erste integrierte Entwicklungsprojekt, das seit der Entstehung Bangladeschs von einer Entwicklungsorganisation in den Teegärten des Landes umgesetzt wird.
Der Distrikt Moulvibazar gehört zu den Teeanbaugebieten Bangladeschs. Die Teegartenarbeiterinnen und -arbeiter gehören verschiedenen ethnischen Minderheiten an und haben sich bis heute nicht in die Gesellschaft Bangladeschs integriert, d.h. in sozialer Hinsicht gibt es kaum einen Austausch zwischen den mehrheitlich Bengalen im Land und diesen Minderheiten. Die Bengalen betrachten sie als rückständig und unzivilisiert. Da die verschiedenen Minderheiten nicht zusammenarbeiten, nicht über ihre Rechte informiert und dem Damoklesschwert der fristlosen Kündigung ausgesetzt sind, ist Ausbeutung leicht möglich.
Die Monipuri, die zweite große Zielgruppe des Projekts, leben traditionell vom Weben und der Landwirtschaft. Auch fertigen sie Holzmöbel an. Sie besitzen nur das Land, auf dem ihre einfachen Behausungen errichtet wurden. Einige wenige besitzen kleinere Parzellen, auf denen sie Gemüse für den Eigenbedarf und Verkauf anbauen. Andere arbeiten als Landarbeiter für einige Monate im Jahr. Die Weberinnen unter ihnen arbeiten mit veralteten Geräten, leiden unter oft hohen Einkaufspreisen für die benötigten Materialien und schlechten Verkaufserlösen.
Diese Projektphase stand im Zeichen des Aufbruchs und der Weichenstellungen. 181 Selbsthilfegruppen wurden aufgebaut, 900 Latrinen und 100 Brunnen errichtet. 1.800 Kinder erhielten Vorschul- und Schulunterricht. 223 Jugendliche und junge Erwachsene erhielten eine berufliche Ausbildung, 3.270 Personen eine berufliche Fortbildung (z.B. Milchkuhhaltung, Küchengartenanlage, Kompostherstellung und biologische Schädlingsbekämpfung, Nahrungsmittelverarbeitung). Fortbildungen der Hebammen und Gesundheitsberatung gehörten ebenso zum Projektalltag wie die Dialoge der Projektmitarbeiter und der Zielgruppe mit den Teegartenbehörden und Managern, Regierungsvertretern religiösen Führern oder Vertretern der Zivilgesellschaft. Gerade die Dialoge führten zu einer Stärkung des gruppeninternen Zusammenhalts und der Anbindung des Projekts an das Projektumfeld.
Die Erfolge stellten sich ein: Das Pro-Kopf-Einkommen der Zielgruppe verdoppelte sich. Der Anteil der saubere Latrinen nutzenden Personen stieg von 6% auf 56%. Das Krankheitsaufkommen sank um ein Drittel. Ende 2008 fand gar ein erster Streik der Teegartenarbeiter statt. Die Folge: höhere Löhne. Gegenüber der Lokalregierung tritt die Zielgruppe nun auch selbstbewusster auf. Man weiß um seine Rechte und klagt sie nun ein. Das Selbstbewusstsein wächst.
Die Arbeit der schon bestehenden 181 Selbsthilfegruppen soll fortgesetzt und vertieft werden. Neben der wöchentlichen Treffen der Mitglieder, bei denen die eigens erstellten Arbeitspläne diskutiert werden, erhalten Mitglieder aus jeder Selbsthilfe-gruppe Trainings und Lehrgänge, u.a. zu den Themen Lobbyismus (gegenüber der Lokalregierung), Verwaltung von Krediten und Gruppenleitung. 1.800 Kinder werden eine (Vor)-Schule besuchen. 180 junge Menschen erhalten eine qualifizierte Berufs-ausbildung; 1.050 Personen eine berufliche Fortbildung und fast 7.000 Menschen einen Kleinkredit. Die Dialogprogramme gehen natürlich auch weiter. Die Gruppen wie auch die einzelnen Mitglieder stark zu machen, ist das vorrangige Ziel. Die Gruppen sollen im März 2012 auf eigenen Füßen stehen - organisatorisch wie finanziell. Die einzelnen Haushalte sollen ihr Einkommen weiter gesteigert haben - mindestens um weitere 60%. Alle Haushalte sollen über saubere Latrinen verfügen. Als Ausdruck des gewachsenen Gesundheits-bewusstseins und des erzielten bescheidenen Wohlstandes werden die Kosten für diese Latrinen vollständig vom jeweiligen Haushalt getragen.
Die Teegartenarbeiterinnen und -arbeiter und Weberinnen haben schon viel erreicht. Damit die Armut aber der Vergangenheit angehört, sind sie auf weitere Unterstützung angewiesen.

Eine 3-tägige berufliche Fortbildung für eine Teegartenarbeiterin kostet 4 €.
Dr. Martin Peter Houscht
Projektreferent Bangladesch/ Nordostindien,
Webmaster
Tel: 0228/ 926 525 35
mp.houscht@andheri-hilfe.org