

Vier Jahre lang haben zivilgesellschaftliche Gruppen in Indien - insbesondere Organisationen der Ureinwohner - mit großem Engagement für ein neues Gesetz zur Anerkennung ihrer Waldrechte (forest bill) gekämpft und kontinuierlich politische Lobbyarbeit geleistet. Die Verabschiedung der Gesetzesvorlage durch das nationale Parlament ist ein Meilenstein für die Stammesangehörigen (sog. Adivasi) sowie andere traditionelle Waldbewohner. Es ist eine entscheidende Voraussetzung zur Sicherung ihrer Lebensgrundlagen und Ernährung. Damit wurde endlich eine in der Kolonialzeit begründete Ungerechtigkeit an diesen Bevölkerungsgruppen korrigiert. Unzählige Adivasi wurden in der Vergangenheit aus ihren angestammten Waldgebieten vertrieben: Durch "angebliche Entwicklungsprojekte" wie den Bau von großen Staudämmen, den Abbau von Bodenschätzen oder die Konkurrenz durch Siedler. Oft wurden die Ureinwohner unter dem Vorwand des Naturschutzes von Forstbehörden und anderen Lobbygruppen gezwungen, ihr Land zu verlassen, nicht selten gewaltsam. Die wertvollen Waldressourcen wurden dann gewinnbringend von anderen genutzt.

Das neue Gesetz garantiert neben den offiziell anerkannten Stammesangehörigen (scheduled tribes) auch anderen Bevölkerungsgruppen, die traditionell in und von Waldgebieten leben, einen Anspruch auf Landrechte und die nachhaltige Nutzung von Waldressourcen. Den Dorfgemeinden wurde die Autorität über die Wälder übertragen, die sie traditionell genutzt und erhalten haben, damit sie diese weiterhin schützen und verwalten können. Die Dorfversammlung "Gram Sabha" entscheidet in Anhörungen über Rechte und Nutzung. Auch die Rechte von Frauen wurden gestärkt. Landtitel werden in Zukunft gemeinsam für Ehemann und Ehefrau vergeben. Und das neue Gesetz soll Vorrang vor anderen, dazu im Widerspruch stehenden Gesetzen haben, die die Lebensgrundlagen der Waldbewohner bedrohen.
Unsere Partnerorganisation Rajpipla Social Service Society, die im westindischen Bundesstaat Gujarat seit Jahrzehnten für die Rechte und Organisation von Adivasi eintritt, hat die Basisorganisationen der Adivasi bei ihrem Kampf um Waldrechte mit größtmöglichem Einsatz unterstützt. Zahlreiche Anhörungen, Kampagnen, Sitzstreiks und politische Lobbyarbeit zur Formulierung und Durchsetzung des neuen Gesetzes fanden auf Bundesstaats- und nationaler Ebene statt. Der Zusammenschluss von Adivasi-Organisationen in Gujarat "Adivasi Mahasabha Gujarat" spielte eine führende Rolle in diesem erfolgreichen Kampf.
Und die Arbeit geht weiter. Die betroffene Bevölkerung muss über die genauen Inhalte und Konsequenzen des Gesetzes informiert werden. Die Selbsthilfeorganisationen in den Dörfern müssen gestärkt werden, damit sie z.B. ihre Rechte gegenüber korrupten Forstbehörden (die sie oft weiterhin drangsalieren) durchsetzen können. Die Dorfversammlungen müssen ausgebildet werden, um ihre wichtige Funktion erfolgreich wahrnehmen zu können. Und die Ausführungsvorschriften zu dem Gesetz müssen erarbeitet bzw. aufmerksam verfolgt werden. Hierfür stellt die Andheri-Hilfe weiterhin ausreichend Mittel für die Projektarbeit der Rajpipla Social Service Society zur Verfügung.
Barbara
von Hillebrandt-Jung
Projektreferentin Südindien, Westindien
Tel: 0228/ 926 525 32
barbara.hillebrandt@
andheri-hilfe.org